Louis Armstrong im Song des Tages 119

Erinnerungen an einen der größten Musiker des vergangenen Jahrhunderts…

Louis Armstrong – What A Wonderful World

23. April 1968, “What A Wonderful World” steht auf Platz 1 der britischen Charts.
6. Juli 1971, Louis Armstrong stirbt im Alter von 69 Jahren in New York City.

 

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=CWzrABouyeE

 

In einer Zeit, in der in den Vereinigten Staaten Bürgerbewegungen gegen Rassismus und Demonstationen gegen den Vietnamkrieg an der Tagesordnung standen, wollte der damals 66-jährige Jazzmusiker Louis Armstrong ein Zeichen setzen. Zu dieser Zeit erlebte der sympathische Sänger und Tompreter ein riesiges Comeback. Für „Hello Dolly“ wurde er mit einem Grammy ausgezeichnet und für den James Bond Film „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ hatte er den Song „We Have All The Time In The World“ aufgenommen. Er war sich seiner Popularität bewusst und wollte die Menschen darauf aufmerksam machen, dass es statt wichtiger Veränderung auch eine Zufriedenheit mit dem, was die Welt uns schenkt, geben muss.

In dieser Zeit wurde ihm ein Song angeboten, der genau dem entsprach, was Satchmo, wie ihn seine Fans und Freunde nannten, suchte. Bob Thiele and George Weiss, die als Songwriter von „The Lion Sleeps Tonight“ bekannt wurden, hatten den Song „What A Wonderful World“ angeboten. Dieser Song mit einer einizigartigen Naivität, voller Optimismus, Idealismus und Schönheit traf auf offene Türen bei dem großen Musiker.

Zu dieser Zeit hatte Louis Armstong eine eigene Show im Tropicana Hotel in Las Vegas. Nach einer seiner Mitternachtsshows wurde eine Aufnahmesession in Bill Porters United Studios in Las Vegas arrangiert. Neben dem Interpreten und den beiden Songwritern trafen auch der Produzent Artie Butler, der Songwirter und Sänger zusammenbrachte sowie der neue Chef der Plattenfirma ABC Records Larry Newton ein. Im Studio selbst wartete schon eine Gruppe von Studio-Ingenieuren und Musikern. Als sie mit der Aufnahme begannen, war es gegen 2 Uhr morgens.

Larry Newton war alles andere als begeistert vom Song, der aufgenommen werden sollte. „What A Wonderful World“ entsprach so gar nicht seinen Vorstellungen von einem Song, der in die Fussstapfen von „Hello Dolly“ treten sollte. So gab er sich nicht nur alle Mühe, den Song schlecht zu reden, sondern versuchte sogar, die Aufnahme des Titels zu verhindern. Das führte nach langen Diskussionen dazu, dass ihn die anwesenden Musiker aussperrten, um endlich mit der Aufnahme zu starten.

Nicht nur der eingesperrte Plattenboss, auch die mehrfach vorbeifahrende Eisenbahn der Union Pacific sorgte mit ihrem Horn dafür, dass das Orchester immer wieder neu starten musste. Zu dieser Zeit wurden die Aufnahmen noch mit allen Musikern gemeinsam aufgenommen, so dass auch die vielen Störungen hervorgerufenen Konzentrationsschwächen bei manchen Musikern immer zur Neuaufnahme aller Musiker führte. Diese vielen Unterbrechungen sorgten dafür, dass die Musiker einen finanziellen Nachschlag verlangten, da sie über die vereinbarte Zeit hinaus arbeiten mussten. Daraufhin erklärte sich Louis Armstrong bereit, nur mit dem „Mindestlohn“ von 250 Dollar bezahlt zu werden, um die Forderungen der Musiker auszugleichen.

Nach einer langen Session war es dann in den frühen Morgenstunden doch geglückt, den Song zur Zufriedenheit aller aufzunehmen. Nach dem anschließenden Frühstück ging Satchmo zu seinem Produzenten Artie Butler nahm dessen Kopf zwischen seine Hände und drückte ihm einen dicken Kuss auf den Kopf und sagte: „Artie, es war wirklich ein Vergnügen mit dir zu arbeiten. Lass uns mehr tun.“

Zwei Monate später präsentierte Louis Armstrong den Song in der Tonight Show. Der seit seiner Aussperrung immer noch beleidigte ABC-Plattenboss war jedoch nicht bereit, die Single zu diesem Termin zu veröffentlichen. So kam sie erst Anfang 1968 in Großbritannien auf den Markt, weil der britische Partner des Labels „His Masters Voice“ aus dem Hause der EMI darauf drängte. Im Februar stieg der Song in die Charts ein und wurde nur von bestimmten Radiostationen ins Programm aufgenommen, da der Song angeblich nichts für junge Hörer war. Doch nach und nach stieg das Interesse an dem Song immer mehr und am 24. April 1968 stand er auf Platz 1 der UK-Charts.

Nun musste auch ABC-Records in den USA nachziehen. Ohne jede Promotion wurde „What A Wonderful World“ in den Vereinigten Staaten veröffentlicht. Laut Larry Newton verkaufte er sich dort gerade einmal 1.000 mal.

Doch Louis Armstong liebte sein Lied und wollte die Aussage gerade den jungen Menschen in seinem Heimatland, das zu dieser Zeit so zerissen war, näher bringen. Vor einem TV-Auftritt sagte er: „Einige von euch jungen Leuten sagten zu mir: ‘Hey, Opa – was singst du da von einer wundervollen Welt? Siehst du nicht die Kriege überall? Sowas nennst du wundervoll!’ Hey, hört dem alten Opa für eine Minute zu: Es scheint mir, es ist nicht die Welt, die so schlecht ist, sondern was wir damit machen. Alles, was ich den Menschen sagen möchte, ist: Seht einmal, was für eine wundervolle Welt es wäre, wenn wir ihr nur eine Chance geben würden.

Liebe, sage ich euch meine Kinder, ja Liebe ist das Geheimnis, das die Welt wunderbar sein lässt.”

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.