“Feelings” im Song des Tages 205

Erzählt wird die Geschichte zu einem der meist belächelten Songs aller Zeiten

Morris Albert – “Feelings”

23. Juli 1987, Morris Albert muss die Tantiemen für “Feelings” mit dem französischen Komponisten Loulou Gaste teilen, da dessen „Pour Toi“ („Für Dich“) als das Original gerichtlich festgestellt wurde.
7. September 1951, Morris Albert kommt in São Paulo zur Welt.

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https://youtu.be/wU0Pp2n6ooE

„Albert hält in seinem Heimatland Brasilien eine Anhängerschaft, aber er hat in Amerika wenig Erfolg, seit er 1975 seine “Feelings” mit uns geteilt hat. Wenn Sie sich fragen, warum Punk passieren musste, hören Sie sich dieses Lied an.“, schrieb der „Rolling Stone“ und setzte Morris Albert seinem größten Hit auf Platz 9 der „schlechtesten Titel aller Zeiten“.

Dass so schlechte Titel, oder wie es das Fachmagazin ausdrückt, ein richtig beschissener Song, so viel Erfolg hat, ist im Grunde ganz einfach erklärt, denn viele achten erst viel später auf den Text und haben sich längst in die vor Tränen triefende Schnulze – und das ist nun mit einem Augenzwinkern absolut positiv gemeint – Hals über Kopf verliebt. Wer kennt sie nicht, die Leute, die einen Song dann in der Dauerschleife hören, bis sie keine mehr hören kann.

Genau zu dieser Kategorie „Feelings“. Jahre später hört man ihn dann im Radio oder auch hier im Song des Tages und verbindet damit die schönsten Erinnerungen, die Jugend, vielleicht sogar die erste große Liebe oder eine total verliebte Zeit. Wenn dann einer etwas von „Feelings“ singt, ist doch derjenige, der sich einen solchen Text erst übersetzen muss, längst zufrieden.

Der Sänger Morris Albert, der diesen Song komponiert (dazu kommen wir auch noch) ist Brasilianer, dessen Fans es wohl ähnlich ergeht wie den Deutschen, die diesen Song gleich zu einer Konkurrenz-Serie zu „Kuschelrock“ ausgeliehen haben. Sie alle schmelzen dahin. Die Amerikaner, die heute besonders gern über „Feelings“ herziehen und den Interpreten nur belächeln, hat es zu Anfang wenig bis gar nicht ausgemacht, dass der Text keine Geschichte erzählt, keine neue Liebe, keine beendete Beziehung zum Inhalt hat, sondern einfach nur Gefühle, die etwas platt beschrieben werden. Muss man dann auf den Text achten.

Es gibt so viele gute Songs, die niemandem wirklich gefallen und dann gibt es eben die erfolgreichen Songs, die einfach im richtigen Moment dahin sind. So wie „Feeling“, der Song der immerhin 32 Wochen in den US-amerikanischen-Charts verbrachte. Weniger, weil die Radiosender diesen Song rund um die Uhr spielten, sondern weil er gekauft wurde. Außerdem hat es der Song geschafft in der TV Serie „Alle unter einem Dach“ von Steve Urkel gesungen zu werden.

Morris Albert Kaiserman, so heißt der Sänger mit bürgerlichem Namen, zog es von Brassen in die USA, um an der Columbia Universität Phonologie zu studieren. Ursprünglich hatte er „Feelings“ in Portugiesisch, seiner Heimatsprache, als Bolero aufgenommen, der zu einem großen Hit in Südamerika wurde, so dass er ihn nun auch in seiner zweiten Heimat in der jedem bekannten Version aufnahm. Er wurde kein Nummer Eins-Hit, der in kurzer Zeit viele Schallplatten verkauft, sondern ein Dauerbrenner, der über einen langen Zeitraum gekauft wird und irgendwann jedem ein Begriff ist. Ein gutes Beispiel für einen solchen Hit ist auch „Küss mich halt mich lieb mich“ von Ella Endlich, der es auch nie ganz nach oben geschafft hat, dafür aber jedermann ein Begriff ist.

Am 23. Juli 1987 wurde der bis dahin alleinige Komponist des Plagiats für schuldig befunden. Die Ähnlichkeit zum bereits 1956 erschienenen Chanson von Loulou Gaste „Pour Toi“ („Für Dich“) war so gravierend, dass Morris Albert den Erfolg von „Feelings“ mit dem Franzosen teilen musste, und dass rückwirkend.

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https://youtu.be/BZYiaYvpO2o

Dennoch werden auch beide vom Erfolg dieses Songs gut leben können, denn – obwohl und auch weil von vielen belächelt – wurde der Song unzählige Male gecovert und taucht auch immer mal wieder mit einem neuen Interpreten in den Charts auf. Cover-Songs gibt es von Walter Jackson, ein weiterer US-Chart-Erfolg, Johnny Mathis, Andy Williams, Teresa Carpio, Shirley Bassey, Lynn Anderson, Jim Nabors, Brenda Lee, Gloria Gaynor und The Offspring.

Die wenigsten haben „Feelings“ veralbert, sondern den kitschigen Text, der 23 mal das Wort „Feelings“ enthält, schmachtend nachgesungen. Der Hauptgrund dafür war immer der selbe: Das Publikum liebt „Feelings“, liebt Gefühle.

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