Drafi Deutscher im Song des Tages 134

Eine Geschichte über “Marmor Stein und Eisen bricht” und Drafi Deutscher

9. Mai 2006

 

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https://youtu.be/t9ZRXLEMa5M

Bereits als 11-jähriger hatte Drafi Deutscher sein erstes Geld als Musiker verdient. Nicht auf einer großen Bühne, sondern bei den amerikanischen Soldaten, die in seinem Heimatort Berlin stationiert waren, sang er ihnen Hits von Elvis, Little Richard und Chuck Berry vor. Die Gitarre, auf der er sich dabei begleitete, muss zu dieser Zeit in etwa seiner Körpergröße entsprochen haben. Für viele der GIs war er vom ersten Augenblick ihr kleiner Star und gehörte zur perfekten Freizeitgestaltung. Je nach Stimmung und Alkoholkonsum fiel die Gage von gut über perfekt bis zu gigantisch aus, denn sie bezahlten den kleinen Künstler mit harten Dollars.

Bei einem Gesangswettbewerb wurde er dann von dem Komponisten Heino Gazé entdeckt, der zu dieser Zeit mit dem Verleger Peter Meisel und seinem jungen Komponistenkollegen Christian Bruhn so etwas wie eine verschworene Gemeinschaft bildeten und gemeinsam einen Weg für das Juwel, Drafi Deutscher, finden sollten.

Mit „Teeny“, „Shake Hands“ und natürlich „Marmor Stein und Eisen bricht“ katapultierten alle gemeinsam den ersten deutsch singenden Beat-Star ganz nach oben. Besonders die BRAVO unterstützte sie dabei mit Begeisterung. Das Magazin für junge Leute war zu dieser Zeit noch so etwas wie der Gradmesser für die Stars der Jugendlichen. Für die Redaktion war es ein Geschenk, dass Deutschland einen eigenen Star der Beat-Musik zu bieten hatte. Ein „Goldener Otto“ und Headliner der BRAVO-Tour, die ein Jahr zuvor mit den Beatles gestartet war, machten ihn zum Superstar.

Genau so schnell wie es in den Jahren 1964 und 1965 nach oben ging, ging es anschließend auch wieder bergab. Nach einem Saufgelage mit seiner Band pinkelte er in den Morgenstunden volltrunken von einem Balkon. Die Geschichten, die daraus entstanden, hätten in einer Biografie ganz gewiss einige Kapitel beansprucht. Jeder weiß heute, dass er es wieder an die Spitze geschafft hatte und auch als er sich aus dem Geschäft zurückgezogen hatte und glücklich auf Mallorca seinen Lebensabend anging, wurde er immer wieder zu Oldies-Veranstaltungen oder den populären Schlagerstarparade eingeladen, um mit seinen Fans zu feiern.

Er liebte diese Auftritte und auch das Treffen mit den Kollegen war für ihn, wie er sich ausdrückte, kein Wettbewerb mehr nach dem Motto „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Größte im ganzen Land“. Er war es ganz sicher einmal oder vielleicht auch öfter in seiner Karriere.

Einen Tag nach seinem großen Auftritt bei einer Schlager-Starparade in Hamburg trafen wir uns an seinem 60. Geburtstag zum letzten Mal. Er erzähle, immer noch ein wenig übernächtigt, dass er Tags zuvor noch seine Mutter besucht hatte und sich anschließend einen gepflegten Bummel über die Reeperbahn gönnte. „Nun beginnt der Herbst meines Lebens“, philosophierte er in seiner dann fast kindlichen Art. Ein paar Taxifahrer gratulierten ihm zum Geburtstag, was er mit einem „Oh, ich werde auch ohne Hut noch erkannt“, kommentierte. „Was allerdings von mir bleibt, das werde ich erst von oben sehen“, meinte er und krümmte sich vor Lachen als ich ihn fragte, ob er denn wirklich sicher sei, in den Himmel zu kommen, „da wird für jeden von uns schon ein Plätzchen frei sein. Und wenn dann mal Musik von mir nach oben klingt, dann hat sich das Leben gelohnt.“

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https://youtu.be/4TkcO2r0qQY

Heute vor 12 Jahren, am 9. Mai 2006 wurde Drafi Deutscher 60 Jahre alt. Ein paar Tage später musste er nach einem Herzinfarkt ins künstliche Koma versetzt werden, aus dem er nie mehr erwachte. Wenige Stunden vor Eröffnung der Fußball-WM 2006 am 9. Juni hörte sein Herz auf zu schlagen. Trotz des euphorischen, alles überstrahlenden Sommermärchens wurde sein Tod von seinen „weniger guten Freunden“ der Presse respektvoll behandelt. Und als sich die Mannschaft nach dem Turnier vor dem Brandenburger Tor zeigte und der Jubel über die unvergesslichen Wochen nicht aufhören wollte, stimmten die Spieler ausgelassen „Marmor Stein und Eisen bricht“ an. Ich bin mir ganz sicher, dass in diesem Moment da oben jemand sehr glücklich auf sein Berlin heruntergeblickt hat.

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