Bernie Paul mit “Lucky” in den Song-Geschichten 268

Zum ersten Mal erzählt uns ein Künstler selbst die Geschichte seines Hits:

Bernie Paul – Lucky

12. Februar 1950, Bernie Paul kommt als Bernhard Paul Vonficht in Schweinfurt zur Welt.
25. September 1978, “Lucky” steigt in die deutschen Charts ein.

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https://www.youtube.com/watch?v=iS0SgHEq97Q

Dieses ist eine der ersten Geschichten, die uns ein Künstler persönlich erzählt hat.

Regelmäßig verfolgen wir für den Song des Tages die Hitparaden vergangener Tage. Am 25. September 1978 stieg ein bis dahin unbekannter Sänger namens Bernie Paul mit den Song „Lucky“ in die deutschen Charts ein. Dieser Titel war damals Dauerbrenner bei allen Radiosendern und ein Ohrwurm der einen in den ersten Herbsttagen ausgesprochen „Lucky“ stimmte.

Genau diese Story wollte ich vor ca. zwei Stunden schreiben, zumal ich eine Begegnung mit dem Sänger und Komponisten Bernie Paul in bester Erinnerung hatte. Doch leider war weder in meiner kleinen Buchsammlung noch im Internet viel über diesen Song zu finden. Wie es sich für einen sturen Norddeutschen gehört, wollte ich nun nicht einfach die Biografie des Singer-Songwriters neu verfassen. Obwohl der Hinweis, dass viele von euch ganz gewiss täglich mit Begeisterung seine Musik hören und auch den Biertrinkern einer seiner Titel in bester Erinnerung sein wird: Bernie Paul schrieb den Titelsong zu „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und die Becks Bier-Hymne „Sail Away“, die dann von Hans Hartz und Joe Cocker interpretiert wurde.

Also setzte ich mich hin und schrieb dem Sänger eine E-Mail mit der Bitte, uns die Geschichte von „Lucky“ zu vermitteln. Keine halbe Stunde später klingelte das Telefon und Bernie Paul war dran und bereit, uns die Geschichte seines ersten Hits zu erzählen:

“Es ist noch nicht lange her, dass ich bei einem Auftritt beim Stadtfest ganz in eurer Nähe, in Nienburg an der Weser, vor tausenden von Menschen davon berichtet habe, dass „Lucky“ gerade seinen 40. Geburtstag feiert. Und wenn ihr die Geschichte von „Lucky“ erfahren möchtet, dann erzähle ich sie gerne.

Der Sänger Bernie Paul war zu dieser Zeit, im Sommer 1978, gar nicht geplant. Ich war zu dieser Zeit, wie auch heute noch, überwiegend hinter den Kulissen tätig. Ich arbeitete als Produzent für meine Plattenfirma, die Ariola. Als Produzent war es mir gelungen, einen großen Namen für die deutsche Plattenfirma unter Vertrag zu nehmen: Die Tochter von Johnny Cash war bereit ein Album mit mir ihr erstes Album aufzunehmen, das dann weltweit veröffentlicht wurde.

Wenn ein so spektakuläres Projekt wie Rosanne Cash angegangen wird, dann wird zunächst jede Menge Material gesammelt, das für das anstehende Album in Frage kommen könnte, es werden unendlich viele Titel gehört und auch passende Songs für die Interpretin komponiert. Im Zuge dieses Schrittes habe ich zusammen mit einem Co-Autoren, Stevie Bi, „Lucky“ geschrieben. Wir hatten uns dazu entschieden, „Lucky“ als Single mit Rosanne Cash herauszubringen.

Rosanne Cash war damals bei mir in München im Studio und wir haben die ganze Langspielplatte aufgenommen. Als Highlight wollten wir dann zum Schluss „Lucky“ aufnehmen, denn es sollte die Single des Albums werden. Ausgerechnet bei diesem Song sind dann Schwierigkeiten aufgekommen und Meinungsverschiedenheiten aufgetreten. Dazu muss man natürlich sagen, Rosanne Cash kommt aus einem Szenario der Country- bzw. Country-Rock-Musik mit puristischen Anforderungen. Plötzlich war ihr „Lucky“ schlicht zu kommerziell und sie sagte: „So etwas kann ich nicht singen!“ Wir haben es trotzdem probiert, mit dem Ergebnis, dass sie das Lied mit einer Attitude gesungen hat, dass es für mich nicht mehr passend war. Wir haben es ein paar Tage lang versucht, bis wir es dann aufgegeben haben und ich entschied, dass ich mir für diesen Song eine andere Sängerin suchen muss: „Lucky“ ist gut genug, um mit irgend jemandem ein Hit zu werden!

Um das Lied dann anderen anzubieten, habe ich ein Demo produziert. Dabei habe ich auf die fertige Musik, die für Rosanne Cash bestimmt war, gesungen. Die Musik war von der Tonart für eine Frauenstimme gemacht. Also habe ich mit aller Anstrengung und aller Leidenschaft auf dieses Demo selbst gesungen und versucht der Tonart gerecht zu werden. Als das Demo dann fertig war, haben die Leute um mich herum gesagt: „Das ist ja der Wahnsinn, das ist ein Hit. Das musst du niemand anderem mehr anbieten!“

Genau dieser Meinung war auch der damalige Chef der Plattenfirma. Er hat mir dann nur gesagt, dass ich als der Produzent mir nun noch einen Namen für mich als Sänger einfallen lassen soll und dann wird es unter diesem Namen genau so, wie wir es aufgenommen haben, herausgebracht.

Sechs Wochen später war „Lucky“ in ganz Europa in den Charts. Das ist die Story von „Lucky“.“

Mit dieser Entscheidung der Plattenbosse wurde aus dem Produzenten, Komponisten und Texter innerhalb von wenigen Minuten ein populärer Sänger, der noch einige weitere Hits landen sollte. Übrigens war die Namensfindung nicht besonders schwer, denn aus Bernhard Paul Vonficht wurde Bernie Paul. Der Ordnung halber sei noch gesagt, dass „Lucky“ wirklich in ganz Europa ein Hit wurde, selbst in Großbritannien hörte man im Herbst und Winter 1978 diese Melodie aus dem Münchener Studio, von dem Singer-Songwriter, den es eigentlich nie ins Rampenlicht gezogen hat. „Lucky“ sang Bernie Paul aber nicht nur in Europa, der Hit wurde rund um den Erdball ein Hit. Er stand mit „Lucky“ in den Charts in Australien, er war gefragt in Fernost, reiste zu TV-Aufnahmen nach Hongkong, den Phillipinen und nach Manila. Bernie Paul fasst es in einem Satz zusammen: „Der Erfolg war unglaublich!“

Roy Black coverte “Lucky” und tauchte endlich wieder in den Schlagerparaden auf.

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https://www.youtube.com/watch?v=SBkSyvsKPik

Wer diese Karriere von Bernie Paul verfolgt hat, weiß, dass wir noch einige Male im Song des Tages über Bernie Paul berichten können. Ich werde mir für diese Fälle, jede Recherche sparen und nicht zögern den sympathischen Künstler erneut zu bitten, uns die Geschichte seiner anderen Hits zu erzählen. Keiner kann sie so unterhaltsam und ehrlich berichten wie Bernie Paul selbst.

Vielen Dank für dieses tolle Gespräch, Bernie Paul.

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