Exklusiv-Interview mit Johanna Magdalena Schmidt

Interview mit der Autorin, Regisseurin und Schauspielerin Johanna Magdalena Schmidt, die mit ihrem Live-Hörspiel “Großmann – die Bestie von Berlin” am 7. und 8. Dezember im Admiralspalast gastiert.

Ein Serienmörder wird begleitet von “Hänschen Klein”

Das Interview führte Nils Harbusch

Heute durfte ich mit der Autorin, Regisseurin und Schauspielerin Johanna Magdalena Schmidt über ihr aktuelles Live-Hörspiel-Projekt „Großmann – Die Bestie von Berlin“ sprechen und wurde darüber aufgeklärt, was es heißt, wenn ein Mörder von dem bekannten Kinderlied „Hänschen klein“ verfolgt wird.

 

 

So jetzt sitzen wir hier mit unserem Grande und Venti Toffee Nut Latte, draußen in der Kälte Berlins. Darf ich dich ganz frech erst einmal fragen: Wie geht es dir denn?

Johanna: *lacht* Mir ist sehr kalt. Vielen Dank, sonst wunderbar.

Es tut mir sehr leid, aber als Schreiberlehrling habe ich leider noch nicht das Privileg, einen Tisch bei Starbucks zu reservieren. Aber zum Glück sind wir beide warm eingepackt und deine silbernen Barbarella-Stiefel schauen auch sehr gemütlich aus. Johanna, du bist Schauspielerin, Autorin & Regisseurin und man darf dich gerade hier in Berlin mit deinem Ensemble und dem von dir geschriebenen Live-Hörspiel „Großmann – Die Bestie von Berlin“ erleben. Erlaube mir meine ungeschulte Frage. Was ist denn überhaupt der Unterschied zwischen einem Hörbuch und einem Hörspiel?

Johanna: Grob gesagt ist ein Hörbuch etwas, was meistens eine Person liest mit verschiedenen Stimmen. Zum Beispiel wie die Harry Potter Hörbücher, gelesen von Rufus Beck. Ein Hörspiel ist wie ein Theaterstück, nur zum Hören. So wie früher die Kassetten. Alle, die nach 1980 geboren wurden, können sich noch erinnern an „Bibi Blocksberg“, „Benjamin Blümchen“, „Die 3?“ oder „TKKG“. Das waren klassische Hörspiele.
Und so ist im Prinzip auch ein Live-Hörspiel. Nur, dass wir das Vergnügen haben, auf der Bühne zu sehen, wie die Schauspieler die Geschichte lesen, wie sie dabei schauen und was sie dabei machen. Zusätzlich als besonderes Alleinstellungsmerkmal meiner Live-Hörspiele, haben wir immer Live-Musiker. In diesem Fall sind es ein Schlagzeuger, Pianist und Sänger. Und dann sitzt da immer noch ein Live-Geräuschemacher, der alle Geräusche, wie Schritte oder Knochenbrechen oder Tür auf und zu gehen, vor den Augen der Zuschauer produziert. Ganz hinten sitzt dann noch ein „Soundmensch“ der alle Sounds, was die Atmosphäre oder zum Beispiel Autos angeht, zusätzlich vom Band dazu mischt.

 

Den Unterschied habe ich begriffen. Ihr spielt die Geschichte „Grossmann – Die Bestie von Berlin“, die auf wahren Begebenheiten beruht. Magst du uns schon ein wenig vom Inhalt verraten?

Johanna: Es geht um die Biografie von dem Serienmörder Carl Großmann, die in den 20er Jahren Berlins spielt. Wir beleuchten zunächst die Zeit der Verhöre Carls. Der zu der damaligen Zeit sehr berühmte Kommissar Ludwig Werneburg hat die Verhöre geführt. Er gehörte zu den Kommissaren, die unter Ernst Gennat hier am Alexanderplatz gearbeitet haben. Diese Kommissare haben Carl Großmann gefasst und verhört. Bei den Verhören machen wir immer wieder Rückblenden in die Kindheit und Jugend von Carl Großmann. Das heißt, wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass er zu solch einem bestialischem Massenmörder geworden ist. Und so sehen wir das Berlin der 20er Jahre, wie es wirklich war, also wenig golden.

 

Die angeblich so “goldene Zeit” von der wahren Seite zu zeigen ist bestimmt sehr spannend. Wie kommt man in diesem Zusammenhang auf die Idee, eine Geschichte über einen relativ unbekannten Mörder zu schreiben?

Johanna: Ich schreibe seit gut 4 Jahren Live-Hörspiele und habe überlegt, was die Leute wohl gerne hören oder sehen wollen. Krimis ziehen immer gut. Für Serienmörder habe ich sowieso eine Passion. Ich finde sie faszinierend, auch wenn das jetzt ein wenig komisch klingt. *lacht* Auf eine gesunde Art und Weise natürlich. Dann habe ich überlegt, möglichst einen Serienmörder zu nehmen, der hier regional vor Ort war. Der am wenigsten Bekannte, aber schlimmste von allen, war Carl Großmann. Als ich ihn recherchiert habe, dachte ich mir „faszinierend“! Es gibt keinen Film über ihn, kein richtiges Buch über ihn, gar nichts: Das mach ich!

 

Das ist wirklich ein Glücksgriff! Ebenso euer Hauptdarsteller, Roland Nitschke. Seine Stimme kennt man ja aus Filmen wie “Men in Black”, “Denver Clan”, “Transformer” und viele weitere. Wie kam die Zusammenarbeit zustande? Habt ihr ihn einfach gefragt?

Johanna: Die Hauptrolle des alten Carl Großmann ist eine große künstlerische Herausforderung. Eine wirkliche Herausforderung den menschlich darzustellen, ein solchen Mörder. Und habe rumgefragt, im Freundeskreis und auch im Ensemble und jemand meinte „naja, Roland Nitschke wäre eigentlich die ideale Besetzung“. Da habe ich ihm nur den Vogel gezeigt und meinte „Ja genau, der wird das bestimmt machen. Du hast doch schon mal mit ihm gearbeitet, komm spaßeshalber fragste mal. Nur spaßeshalber.“ Und bin natürlich davon ausgegangen, das wird sowieso nichts *lacht* Ja und Ronald meinte aber „Schick mir mal da was rüber zum lesen“ dann habe ich ihm die ersten Auszüge geschickt und er meinte direkt „Ja!“ er ist sofort dabei. Ich war begeistert und bin es bis heute, denn er macht es atemberaubend! Wirklich, ich kann nicht weghören und wegsehen, selbst wenn’s zum 10ten mal ist. Es ist unglaublich!

 

Wie ist denn das Arbeiten an sich mit ihm? Also, hat man da ein bisschen schiss oder ist schon jede Ehrfurcht verflogen?

Johanna: Bei den ersten Proben, habe ich mir vor Angst wirklich vor Angst fast in die Hosen gemacht. Zugegeben, er hat in ein paar meiner liebsten Hollywood-Filmen mitgespielt, also das ist ein wirklich großer Schauspieler und hatte ein Mörder-Respekt. Er ist auch ein so herzlicher und liebenswerter Mensch und so unfassbar professionell. Ich fühle mich immer noch ziemlich geehrt und habe natürlich immer noch Wahnsinns-Respekt vor ihm. Aber es ist keine Demutshaltung, sondern ich freue mich einfach sehr, dass er dabei ist und freue mich auch immer, ihn zu sehen und mit ihm zu reden. Das ist einfach nur schön. Es ist wirklich eine erstaunliche Arbeit.

 

Da freut man sich ja schon richtig, zu sehen, was aus dem Ergebnis geworden ist. Vorhin hast du schon erzählt, es gibt Live-Musiker und Live-Geräuschemacher. Ich würde gerne da nochmal ein bisschen drauf eingehen. Wie verträgt sich das denn?

Johanna: Ja, das erfordert natürlich Proben und wir haben aber auch das Glück, dass wir wirklich sehr erfahrene, sehr professionelle Musiker. Harry Lewis (der gerade übrigens sein erstes Solo Album produziert) und Paul Klinger, geben viele Konzerte und komponieren auch viele Film-Soundtracks. Und ja, den äußerst talentierten Live-Geräuschemacher Robert Lehnert haben wir. Das heißt, die stimmen sich genau aufeinander ab. Natürlich brauchen sie ein akkurates Skript, wo genau drinsteht, wer wann was spielt. Die Musiker haben die Musik für dieses Live-Hörspiel extra komponiert.
Carl Großmann hatte als einziges Lebewesen, zu dem er immer einen Bezug fand, einen Vogel. Den hat er Hänschen genannt. Insofern habe ich gesagt, ich möchte als Musik-Thema, das Lied „Hänschen klein“ und daraus Dinge komponieren, also daraus Abwandlungen. So dass es nicht mehr das Originallied ist, aber das halt als großes Thema und darauf soll die Musik fußen. Und das machen die Jungs großartig und das funktioniert perfekt.

 

Also „Hänschen klein“ ist da wirklich mit drinnen? In verschiedenen Motiven, mal ein Fröhliches und dann mal so ein Düsteres?

Johanna: Das Lied wurde so komponiert, dass es nicht mehr die Originalnoten sind. Aber man erkennt das Lied durchaus noch. Die Musikeer spielen verschiedene Abwandlungen davon, z.B. eine wunderbare Moll-Version.

 

Auf so eine Idee muss man auch erstmal kommen. Johanna. Jetzt zum Ende, willst du nochmal zusammen fassen was uns denn am 07. und 08. Dezember im Admiralspalast genau erwarten wird?

Johanna: Euch erwartet ein düsterer Berlin-Krimi. Es dreht sich um den Serienmörder Carl Großmann, der hier in Berlin Friedrichshain und rund um den Ostbahnhof, mindestens 100 Frauen umgebracht hat. Wir erleben also das Berlin, das düstere Berlin der 20er Jahre. Es ist eine Mischung aus Live-Hörspiel und Theaterstück. Es gibt Live-Musik und ein Live-Geräuschemacher und es gibt fantastische Schauspieler und so düster und grausam, das an sich ist, gibt es trotzdem zahlreiche Lacher.

 

 Und „Hänschen klein“

Johanna: Und „Hänschen klein“ *lacht*

 

Ja, dann bedanke ich mich recht herzlich…

Johanna: Ich bedanke mit recht herzlich!

 

Und vielen Dank, dass du mein erstes Interview-Opfer sein “durftest”!

Johanna: Immer gern!

Auch wenn ich anfangs nichts mit einem Live-Hörspiel anfangen konnte, freue ich mich jetzt umso mehr, dass ich noch eine Karte ergattern konnte.

Wenn jetzt noch jemanden die Lust gepackt hat, dieses spannende Stück zu erleben: Karten gibt es an der Abendkasse des Admiralspalast Berlins.

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