Exklusiv-Interview mit Doro

Zum Tour-Beginn der Deutschland Tournee

Exklusiv-Interview mit Doro Pesch

 

Ich wollte direkt mit einer Beichte anfangen: Also ich bin im Rock Bereich jetzt erst seit 4 bis 5 Jahren unterwegs und suche mir nach und nach Bands raus, mit deren Musik ich mich dann beschäftige. Zu meinen Favoriten zählt Motorhead.

Als ich erfahren habe, dass du bereit bist, ein Interview mit mir zu führen, habe ich mich natürlich dann intensiv mit dir beschäftigt und fand heraus, dass du dich sehr gut mit Lemmy verstanden hast…

Doro:

Ja, Lemmy war mein aller bester Freund in der Rockwelt und ich habe den 1984 kennengelernt, wie es bei uns gerade los ging. Es war in England und dann haben wir uns überall auf der Welt wiedergesehen, wir sind zusammen getourt, haben auf Festivals wie “Monster Of Rock” gespielt und waren zusammen als Support von Judas Priest unterwegs. Das waren zu dieser Zeit neben Iron Maidon die Größten überhaupt.

 

Auf deinem aktuellen Album seid ihr noch einmal zusammen zu hören…

Doro:

Mit Lemmy hab ich nicht nur ganz viel getourt, wir haben auch viele schöne Sachen zusammen im Studio gemacht. Auf dem letzten Album “Raise Your First” war noch ein Duett drauf. Auf „Forever Warriors / Forever United“ findest du einen Motorhead-Song und einen Song, den ich für Lemmy geschrieben habe. Es war die erste Idee für die Platte: “Living Live To The Fullest”. Lemmy ist nach wie vor ganz tief in meinem Herzen, ich habe auch nach wie vor das Gefühl, er ist um uns herum. Ich denke an Lemmy glaube ich jeden Tag.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=ljNrGZK0JA0

 

Da ist definitiv ein Stück Musikgeschichte von uns gegangen

Doro:

So ein außergewöhnlicher Mensch und Musiker, ich glaube Ihn liebte die ganze Welt, die ganze Rockwelt.

 

Gut, dass Du das Lied “Living Life To The Fullest” schon mal angesprochen hast. Ich möchte natürlich mit dir über dein aktuelles Album sprechen, das es sogar auf Platz 4 der deutschen Albumcharts geschafft hat…

Doro:

Ja und sogar auf Platz 1 in den Vinyl Charts.

Damit stehe ich vor  den ganz großen Rock Acts. Das wäre früher undenkbar gewesen, aber Metall ist wirklich in den letzten Jahren so im Aufschwung! Dass die Metallbands Top 10-Plätze belegen in den Charts war halt in den 80er und 90ern nicht so. Also die Fans sind so loyal und treu, die kaufen auch noch Vinyl und CDs. Unsere Fans leben nicht nur bei Spotify usw. Das ist natürlich super!

Man weiß das natürlich mehr zu schätzen, wenn sich viele Sachen ändern wie z.B. jetzt, wo keine CDs mehr gekauft werden. Das ist in der Rockwelt anders. Wir legen noch viel wert auf schöne Cover, das Booklet, spezielle Boxen usw. Das ganze Programm, was das Herz erfreut!

 

Vinyl ist auch wieder im Aufschwung hat man das Gefühl.

Doro:

Ja total, wir lassen jetzt auch noch welche vor der Weihnachtszeit pressen. Ich habe mein eigenes Label gegründet, damit man dann die alten Scheiben nochmal rausbringen kann, wo man die Rechte zurück gekriegt hat oder die Plattenfirmen nicht mehr existieren. Ich freue mich schon darauf, mag auch den Sound und den Look von Vinyl.

 

Ja, das hat schon einen gewissen Charme einfach.

Doro:

Ja total, auch vom Sound her, ich finde es klingt wirklich natürlicher und einfach schöner.

 

Das stimmt allerdings. Kommen wir zurück zu deinem Album: Da ist mir ein Lied aufgefallen bzw. ein Feature, womit ich nicht gerechnet hätte. Ich meine deine Zusammenarbeit mit Helge Schneider. Wie ist das denn zustande gekommen?

Doro:

Ich habe das erste Mal Helge beim Wacken getroffen. Da haben wir uns gegrüßt und sind ins Gespräch gekommen. Helge ist total nett und witzig, hat einen trockenen Humor. Wir haben uns dann kurz unterhalten und ein Foto gemacht und uns verabschiedet.

Im letztes Jahr haben wir in Mannheim gespielt. Die machen dort immer 2 Wochen ein Festival mit allen Musikrichtungen. Von der Bühne aus habe ich dann jemanden gesehen von dem ich dachte: Der sieht aus wie Helge Schneider. Nach dem Konzert kam er auf mich zu und nun wusste ich, er sah nicht nur so aus, er war Helge Schneider.

Dann erzählt man über das aktuelle Musikerleben. Ich erzählte von der Tournee, der neuen Platte und da meinte er eigentlich aus Spaß, wenn du mich brauchst, dann sag Bescheid. Spontan antwortete ich: “Wir haben da einen Song  “Backstage to Heaven” mit einem wahnsinnig schönen Saxophon-Solo.” Und dann fragte ich ihn einfach: ” Hast Du mal Bock, vorbei zu kommen ins Studio?”

Wochen später kam er dann und hat das Solo gespielt und wir lagen am Boden vor lachen. Das war echt ein super Tag. Einer der schönsten Tage überhaupt während der Produktion vom Album. Helge kam im Jogginganzug und alles mit ihm war entspannt und sowas von lustig.
Der ist wirklich ein super Musiker. Das wissen viele gar nicht.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=Rrs6IIO5lGc

 

Vielleicht baut er sich ja ein 2. Standbein noch als Rocker auf.

Doro:

Ja wer weiß, er hat sich auf jedem Fall in das Studio verliebt. in dem wir aufgenommen haben. Wir haben überall auf der Welt aufgenommen New York, Yersey, Hamburg, Skandinavien und in Sulingen im Rock City Studio. Dort haben wir einen kleinen Hund als Co-Produzenten, der hat uns Tag und Nacht wach und auf Trapp gehalten.

Dann war der Helge da und hat sich sofort verliebt, weil es ein Studio ist, wie man es aus den 80ern kennt: Mit alter Couch usw.
Ist wirklich alles wunderschön gemacht, tolle Atmosphäre. Das hat man nur noch ganz selten, weil die meisten Studios, in denen ich früher war, gibt es gar nicht mehr.

Ich hab immer nach so feinen Studios gesucht. Es ist einfach schön im Rock City  Studio. Da fällt mir noch eine kleine Geschichte zu Helge ein. Er hat seine eigene Orgel mitgebracht. Die hatte nicht durch die Tür des Studios gepasst, so dass wir erst einmal umbauen mussten damit Helge seine Orgel überhaupt benutzen konnte. Es war ein wenig chaotisch, daber sehr sehr schön.

 

 

Du startest gerade mit deiner Tour durch Deutschland. Gibt es Lieder, die bei jedem Auftritt ein absolutes “Muss” sind?

Doro:

Also da gibt es zwei Songs “Für immer” und “All We Are”.

Das sind die beiden, die sind ein absolutes Muss. Da freue ich mich auch schon immer beim Erstellen der Set-Liste, denn diese beiden Songs sind garantiert ein Highlight am Abend.  Da wird auch immer lautstark mitgesungen und Leuten stehen Tränen in den Augen, weil es einfach so ergreifend ist.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=RcMt6zI7VkM

 

 

Spielst du deutsche Songs auch auf internationalen Bühnen?

Doro:

Ja Weltweit, Russland, Amerika, Südamerika…
Also überall habe ich “Für immer” gespielt und spiele es auch heute. Es wird auch immer erwartet. Die können es manchmal nicht richtig aussprechen. Z.B. in Japan oder Thailand ist es so, aber allein, dass Sie es versuchen, macht diese Momente so besonders.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=s6GKgqIxShQ

 

Gibt es denn einen großen Unterschied zwischen Konzerten in Deutschland und International?

Doro:

Eigentlich sind die Rock- und Metall-Fans weltweit auf dem selben Level. Fans mögen die Songs, die ich am liebsten mag, auch am liebsten. Ich würde jetzt vielleicht nicht alle deutschen Songs im Ausland spielen aber z.B. in Russland ist “Herzblut” die absolute Nummer 1. Es kommt auch darauf an, welche Platten wo veröffentlicht wurden und ob das richtig supported wurde. Die ehemaligen Ostblock-Länder, die kennen die Anfänge aus den 80er und 90ern nicht unbedingt, weil unsere Alben dort einfach nicht rauskamen und wir hatten damals auch keine Chance, dort zu touren.

Deshalb stehen die Fans dort mehr auf Sachen, die ab 2000 heraus kamen. Ende 2000 war ich auch das erste Mal in Russland. Das alles sind Gründe die dafür stehen, was das Publikum von mir erwartet. Die “Triumph and Agnoy”-LP war die absolute Nummer 1 in Amerika. Die ging da so ab, das kannst du dir nicht vorstellen. Die Platte ist dort beliebter als alle Platten davor.

Aber im Grunde sind die Fans überall auf der Welt gleich und haben alle das Herz am rechten Fleck. Zwischen den Hymnen will man weltweit, die schnellen Songs oder auch eine schönen Ballade.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=_y5XCQZfXT0

 

Gibt es denn Abseits von Bremen, wo die Deutschlandtour ja startet, eine Stadt wo du von vornherein sagst, dass ihr da unbedingt spielen müsst?

Doro:

Eigentlich hat jede Stadt und jede Halle Ihren eigenen Flair, natürlich bin ich gerne in Düsseldorf, wo alles angefangen hat, oder in Bochums Zeche und in Bremens Aladin. Ich spiele wirklich überall gerne, es darf auch gern etwas Neues dabei sein. Zwischenzeitlich wissen wir doch alle, dass in einem so kleinen Dörfchen wie Wacken die Post abgeht.

Das gilt auch nicht nur für Wacken. In kleinen Orten ist man ein Ereignis und die Menschen feiern unser Konzert auch wie ein Ereignis. Da ist es kein Problem 30 bis 50 Kilometer anzureisen.

 

Du kommst ursprünglich aus dem Ruhrgebiet. Wie hast es aus dem Pott auf die großen Bühnen dieser Welt geschafft?

Doro:

Seit ich 3 Jahre alt bin, will ich Musik machen. Ich bin voller Musik aufgewachsen. Mit 5, 6, 7, 8 Jahren war ich schon fasziniert von der Glam-Rock-Zeit, von Slade, Sweet und Suzi Quatro…

Da wurde ich infiziert und mit 15, 16 hatte ich dann meine erste eigene Band. Wir haben uns jeden Tag getroffen und zusammen geprobt. Dabei habe ich noch keinen Gedanken an die Zukunft gehabt, was daraus eventuell einmal werden könnte. Die Musik war unser Leben und irgendwann haben wir dann auch unsere erste Platte gemacht. Das war “Burning The Witches”. Dann kamen Festivals, da habe ich Lenny kennen gelernt. Wichtig war auch die “Judas Priest Tour” 1986, die war ganz einschneidend. Irgendwann bin ich nach Amerika gegangen und von da an wollte ich “das alles” ein Leben lang machen.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=33TbR_1Mx7g

 

Gibt es für dich eigentlich einen Unterschied zwischen Metall und Rock oder ist dass eine fließende Sache?

Doro:

Für mich stand das Wort Metall  für Freiheit, super heavy, total gefühlvoll – also für mich war es alles. Das kann auch mal eine Ballade sein, die ans Herz geht. Aber bei Rock und Metal bin ich jetzt nicht so festgelegt. Metal ist in jedem Falle nicht nur eine kleine Schublade mit kreischenden Sängern und Gitarren. Das ist einfach viel mehr. Da passt auch ein Song wie “Für immer” rein. Da ist die Power, Energie und Leidenschaft auf andere Weise zu spüren.

Das alles gilt für Rock auch. Vielleicht ist Metal ein bisschen schneller als Rock.

 

 

Wenn wir Mal zurück blicken, hatte ja jeder mal so seine musikalischen Jugendsünden. Gab es die bei dir auch, als 9 jährige oder 10 jährige, wo du sagst, damals hab ich dann auch David Cassidy gehört?

Doro:

Ich fand das war eigentlich alles cooles Zeug: Ich habe Suzi Quadro, Alice Cooper, T. Rex geliebt, Sweet habe ich geliebt. Mit denen habe ich mich auch angefreundet. Bei deren Jubiläum bin ich gewesen und sie waren gerade bei meinem. Was mir viel bedeutet hat. Weil Sweet war der Hammer als ich 7, 8 Jahre alt war. Da war jetzt nichts, wo ich sagen würde, das war total peinlich. Männer mit Glitzer- und Silber-Hosen, ich fand das Ultra Cool!

Glam Rock war mein Leben. Aber ich bin auch mit Klassik aufgewachsen. Das war auch schön!  Ich finde, jede Musikrichtung hat etwas Schönes. Ich habe Jahre lang in Nashville Songs geschrieben: Wunderschöne Songs, bei denen ich auch die Kunst des Songsschreiben erlernt habe. Viele sagen, Nashville ist nur Country, aber das war nicht nur Country, es war ganz ganz tiefe Musik. Da wollte man wirklich tolle Storys zur Musik schreiben.

Ich hab auch schon paar Sachen mit Orchester gemacht, sogar eine Tour. Manche Songs haben so gut getan, da ging echt die Sonne auf. Es ist einfach schöner mit Orchester zu spielen als nur mit zwei Keyboards. Was immer einen berührt, was immer Freude macht, was immer Tiefe hat: Alles ist gut.

 

Heutzutage bestimmen eher Rap und HipHop die Musikszene. Ist das auch ein Genre mit dem du etwas anfangen kannst?

Doro:

Also ich fand z.B. Eminem super, auch die Sounds, also das war “state of the arts” , diese Subbase Sound, also das wurde in jedem Studio als Messlatte genommen. Ich fand auch manche Songs und Videos super geil. Also den mochte ich ganz besonders gerne.

Ich kann es total nachvollziehen, wenn viele junge Leute auf Rap stehen.

 

Ich möchte noch einmal zurück auf das aktuelle Album kommen. Du hast ja nicht nur ein Feature mit Helge Schneider, sondern auch mit Johan Hegg und Doug Aldrich. Gibt es irgendeinen Künstler auf der Welt, mit dem du gerne ein Lied aufnehmen würdest?

Doro:

Gerne mit Til Lindemann von Rammstein! Aber es gibt noch viele Wünsche. Die müssen sich aber auch ergeben und es muss einen Sinn und Zweck haben.

Johan Hegg und seine Band habe ich vor einigen Jahren in Wacken gesehen  und war total begeistert. Da habe ich meinem Tourmanager gesagt, ich würde so gerne mal was mit denen machen. Und dann bin ich wieder auf Tour gegangen und dann auf einmal bekam ich eine Email von Johan Hegg und seiner Band Amon Amarth: Wir machen gerade eine neue Platte. Wollen wir ein Duett singen? Da habe ich mich so gefreut, weil das auf Gegenseitigkeit beruhte. Wir haben “A Queen Can Not Be” und dann hab ich den Song live mit denen gespielt.

Während ich mein Album vorbereit habe, habe ich dann bei Johan angefragt, ob er noch einmal Lust hätte, ein Duett mit mir zu singen. Er hatte!

So ist es bei allem. Es entsteht ein Kontakt. Man fragt an und meistens kommt etwas dabei heraus. Das gilt auch für Doug Aldrich und alle anderen, mit denen ich bisher etwas gemeinsam aufgenommen habe. Das ist Leben, das ist Musik.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=NeaYkEzpvLo

 

Eine letzte Frage: Hast du ein Lieblingslied auf dem neuen Album?

Doro:

“All for Metall” finde ich von den schnellen Sachen am schönsten und wahrscheinlich gibt es noch mehr als die zwei, die mir jetzt durch den Kopf schießen: “Freunde fürs Leben” und “Soldier of Metall”. Den wollte ich zuerst Akapella machen und dann haben wir aber im Studio in Hamburg gesessen mit Andreas Kuhn. Ich habe ihm den Song vorgespielt und dann hat er so ein bisschen mit der Gitarre dazu gespielt. Das war’s. So sollte “Soldier Of Metal” klingen.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=ZUX6Sv1UV4E

 

Doro, vielen vielen Dank für das Interview. Es war mein erstes und ich hoffe es war nicht allzu schlimm…

Doro:

Es war super! Haben uns doch prima unterhalten, hast du gut gemacht!

 

Das Interview führte Tim Tieste

 

Tourdaten:

Bremen 16.11.2018

Hamburg 17.11.2018

Berlin 18.11.2018

Görlitz 20.11.2018

Wien 21.11.2018

Memmingen 23.11.2018

Stuttgart 24.11.2018

Saarbrücken 25.11.2018

Frankfurt 27.11.2018

Erfurt 28.11.2018

Köln 30.11.2018

Bochum 01.12./ 02.12.2018

München 22.03.2019

Nürnberg 23.03.2019

 

 

 

 

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