Welshly Arms Exklusiv-Interview

 

Die US-amerikanische Band war für einige Termine in Deutschland. Wir trafen Sänger Sam und Schlagzeuger Mikey zum Interview auf dem “Dockville”-Festival in Hamburg.

Welshly Arms: In Deutschland hatten wir unsere ersten Fans

Wir sprachen mit der Band über Karriereängste, Vorwürfe von Niko Santos abgekupfert zu haben, Komponieren unter der Dusche und über vieles mehr.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=_HvoL4WMvhA

 

Bereits seit Wochen freuen wir uns auf das Interview mit der Band Welshly Arms. „Legendary“ gehört für die Meisten in der Redaktion zu den besten Songs der vergangenen Jahre. Als wir nun – ziemlich zu Anfang unseres Schaffens – einen neuen Titel der Band vorstellen durften, waren wir einfach mal mutig und haben nach einem Interview mit der Band aus Cleveland/Ohio gefragt. Daniela von der Agentur Promotion-Werft in Hamburg wird wohl die eine oder andere Überstunde für uns eingelegt haben, so dass es dann wirklich mit einem Face-to-Face-Interview mit der Band geklappt hat.

Am vergangenen Wochenende spielte die Band beim MS Dockville Festival in Hamburg und die Band, die Tags zuvor noch in Belgien aufgetreten war, nahm sich die Zeit für uns. Dass wir so ganz nebenbei eines der angesagtesten Festivals in der Stadt an der Elbe kennenlernen durften, könnt ihr den Fotos entnehmen, die wir in einer separaten Galerie zeigen.

Wir trafen uns mit Sänger und Gitarrist Sam Getz und Mikey Gould, dem Schlagzeuger von Welshly Arms, zum heiß ersehnten Gespräch. Die beiden waren total entspannt und hatten sichtlich Spaß bei der einen oder anderen Frage.

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https://www.youtube.com/watch?v=1cHCqXVUE74

 

Was ist die Geschichte hinter eurem Bandnamen? Ich weiß, es ist der Name eines Hotels in der Show “Saturday Night Live”, aber hat es für euch eine tiefere Bedeutung?

Sam: Wir sind einfach riesige Fans der Show. Der schwerste Teil daran, eine Band zu gründen, ist einen guten Namen zu finden. Als wir der Band einen Namen geben wollten, haben wir ein Brainstorming gemacht. Wir haben alle ein paar Ideen in den Raum geworfen. Wir sprachen auch über einen Sketch in dem Will Ferrel in einem Whirlpool im Welshly Arms Hotel sitzt. Welshly Arms klang einfach gut für uns, wir haben den Namen erst einmal mit in die engere Auswahl genommen.

Mikey: Und versucht, uns etwas Besseres einfallen zu lassen, konnten aber nichts finden. So sind wir also dabei geblieben und sind jetzt Welshly Arms. Das klingt doch immer noch gut.

 

Wir haben gehört, dass ihr in euren Songs von einigen Soul-Legenden, aber auch von Jimi Hendrix und Howlin’ Wolf inspiriert seid. Was bedeuten euch die Beiden?

Sam: Diese Beiden und alle anderen, die wir gerne hören und die uns wirklich inspirieren, Musik zu machen, haben uns gezeigt, wie Musik direkt aus der Seele kommen kann. Entweder bringen sie es durch ihre Stimme – so wie Howlin’ Wolf – zum Ausdruck oder ihre Hände beim Spielen der Gitarre sind nicht von dieser Welt.

Mikey: Und da gibt es nun einmal kein besseres Beispiel als Jimi Hendrix. Er war der Größte, seine Musik kam nicht aus dem Kopf oder aus dem Herzen, nein sie kam direkt aus seiner Seele. Ich glaube, das beeinflusst uns am Allermeisten.

 

Habt ihr daneben noch andere Einflüsse in euren Songs?

Mikey: Das kann man wohl sagen, schließlich sind wir ein bunt zusammengewürfelter Haufen.

Sam: Der Typ da neben mir (zeigt lächelnd auf Mikey) kommt aus einer Punkband. Er ist schon sehr direkt, mit seiner Art das Schlagzeug zu bearbeiten. Als Kontrast wären dann Jon und Bri zu nennen. Die beiden sind mit Gospelgesang zur Musik gekommen und Jimmy ist in der Klassik zu Hause, er war Oboist in einem Orchester. Alle diese Einflüsse prägen Welshley Arms. Dabei kommt ein ziemlich eigener Sound heraus.

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https://www.youtube.com/watch?v=iZ0HqB8hTAk

 

Die Geschichte, wie es zur Gründung der Band gekommen ist, ist schon ein wenig ungewöhnlich. Erzählt sie uns bitte noch einmal.

Sam: Das ist wirklich eine lange Geschichte. Wir wuchsen zusammen in Cleveland auf und haben oft zusammen Musik gemacht. Dann kamen die ersten Bands und wir haben uns gegenseitig ausgeholfen. Und dann kommt irgendwann der Punkt, wo die Wege sich trennen. Die einen blieben in der Stadt, andere gingen auf eine weiterführende Schule, oft ziemlich weit von Cleveland entfernt. Ich bin schon früh mit meiner damaligen Band auf Tour gegangen. Aber eines Tages waren wir alle wieder da, wo wir herkamen, im Westen von Cleveland.

Mikey: Als Sam zurückkam, wollte er seine alten Freunde unbedingt wiedersehen und schmiss eine BBQ-Party auf der es leckere Hot Dogs zu essen gab.

Sam: Irgendwann waren wir alle satt und wir wollten das tun, was wir immer am liebsten getan haben, wenn wir zusammen waren. Wir wollten miteinander musizieren. Ich hatte auch einiges an Instrumenten in meinem kleinen Studio im Keller zu bieten und schon saßen wir zusammen und spielten drauf los.

Mikey: Das alles begann mit musikalischen Erinnerungen an unsere Zeit, dann sagte Sam, dass er jetzt den Aufnahmeknopf drückt, was für einen Musiker bedeutet, wir lassen uns treiben und spielen zusammen.

Sam: Es dauerte wirklich nicht lange und aus den losen Rhythmen wurden plötzlich Songs. Wir waren alle ganz angetan von dem, was da gerade passiert war und beschlossen, es unbedingt zu wiederholen. Das war im Grunde schon der Augenblick, an dem sich die Band gegründet hat. Dann kam der Punkt, dass wir an einem ersten Album gearbeitet haben und feststellten, wir brauchen für einen eigenen Sound auch mehr stimmliche Strukturen. Da halfen uns dann Freunde von Jon und Bri, die wir alle so nett und witzig fanden, dass wir sie direkt gefragt haben, ob sie nicht Teil der Band werden wollen.

 

So eine Neugründung beinhaltet oft Schwierigkeiten, weil einige noch bei einer anderen Band, bei einer Plattenfirma oder auch einfach bei einer Firma vertraglich verpflichtet sind. Konntet ihr diese Hürde problemlos nehmen?

Sam: Das war vielleicht das Zeichen für alle, dass die Bandgründung Schicksal für uns war: Keiner von uns war zu diesem Zeitpunkt gebunden, alle hatten denselben Plan, etwas Neues zu beginnen. Ich glaube, es war das Universum, das uns damit sagen wollte, es soll genau so passieren.

Mikey: Wir hatten alle die Chance, etwas Neues zu starten. Ganz egal, was zuvor war, was uns gehindert hätte, wir konnten einfach zusammen anfangen. Niemand von uns hat in diesem Augenblick daran gedacht, was daraus entstehen kann. Nicht in den kühnsten Träumen haben wir daran gedacht, dass wir hier in Deutschland ein Konzert geben und vorher noch mit Journalisten zusammen sitzen, um ihnen unsere Geschichte zu erzählen.

Sam: Es war noch nicht einmal eine Absicht da, mit unserer Musik auf Tournee zu gehen. Von Europa zu träumen, war so fern, dass wir noch nicht einmal einen Gedanken dafür hatten. Wir wollten einfach Musik machen die uns Spaß macht.

 

Nun habt ihr aber Spaß daran, auf Tour zu gehen?

Sam: Aber wie, wir lieben es sehr. Wenn es nicht so wäre, wären wir Zuhause geblieben. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir zwar gerne zu Hause sitzen in Cleveland, aber es macht uns glücklich, all diese Orte kennenlernen zu dürfen. Von einigen Orten haben wir unser ganzes Leben geträumt, sie zu besuchen und jetzt sitzen wir hier in Hamburg. Deutschland ist fast so etwas wie unsere zweite Heimat geworden. Hier in Deutschland haben die Leute unsere Musik mit als Erstes wertgeschätzt, noch vor unseren Landsleuten daheim.

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https://www.youtube.com/watch?v=7m-leX5JvUo

 

Habt ihr einen Lieblingsort außerhalb der Vereinigten Staaten, in Deutschland vielleicht ?

Mikey: Was Deutschland angeht, haben wir die meiste Zeit in Berlin verbracht. Berlin hat das, was man an New York City, Los Angeles oder Nashville liebt. Und doch fühlt es sich einzigartig an. In Berlin ist alles ein weniger entspannter und nicht so gehetzt.

 

In der Vorbereitung auf unser Gespräch habe ich gelesen, dass ihr Deutschland mit Bier, Brezel und Lederhose verbunden habt. Hier in Hamburg wirst du niemanden in Lederhose finden.

Sam: Dieses Bild ist wirklich das typische Bild, das ein Amerikaner von Deutschland hat. Als wir das erste Mal in Deutschland waren, wurde es bestätigt. Wir waren zur Zeit des Oktoberfests in München.

 

So wie es sich gehört in Lederhosen?

Sam: Nein, das nicht. Dazu konnten wir uns dann doch nicht überwinden. Aber ein paar Bier haben wir gern getrunken und die Brezel schmecken dort auf dem Oktoberfest wirklich am besten. Wie schon gesagt, wir kennen nun schon ein wenig mehr von Deutschland und mögen es sehr, in Berlin zu sein. Unser Besuch in Hamburg auf dem Reeperbahnfestival war einzigartig und München war auch ein Erlebnis.

 

Mit „Legendary“ habt ihr gleich als erstes einen Hit gelandet, den man nur schwer übertreffen kann. Habt ihr als Band dann auch manchmal Angst, dass es das schon gewesen sein kann?

Sam: Man müsste lügen, um nicht zu sagen, dass es einem niemals durch den Kopf geht. Man fragt sich natürlich, ob man so etwas wiederholen kann und was man besser machen kann. Für mich habe ich aber entschieden, keine Angst aufkommen zu lassen, sondern mir persönliche Ziele zu setzen. Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, dann werde ich es auch erreichen.

Mikey: Wir hatten keine Ahnung, dass “Legendary” so gut in Deutschland angenommen werden würde und hier sogar im Radio gespielt wird. Wir sind aber vor allem eine Live-Band und da gelingt es uns auch ohne weitere große Hits – wobei „Sanctuary“ auch nicht schlecht gelaufen ist – mit unserem Publikum eine schöne Zeit zu haben.

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https://www.youtube.com/watch?v=tJ43YA9cFmk

 

Mit „Legendary“ habt ihr es auf den Soundtrack zum Film „Power Rangers“ geschafft. Als Titelsong muss man dazu sagen. Wie kam es dazu?

Sam: Diejenigen, die für den Film die Musik zusammengestellt haben, hatten eines Tages bei unserer Plattenfirma angefragt, ob das OK wäre, wenn sie „Legendary“ als Titelsong für den Film nehmen dürfen. Die Plattenfirma hat ja gesagt und wir haben uns natürlich gefreut.

 

Als ich mir das Video zu „Sanctuary“ auf Youtube angesehen habe, sind mir einige Kommentare aufgefallen. Dort hieß es häufiger, ihr habt euch den Song bei Niko Santos’ „Rooftop“ abgeschaut. Kennt man Niko überhaupt in den Vereinigten Staaten?

Mikey und Sam (im Chor und lachen laut dabei): Niko Santos haben wir hier in Deutschland kennengelernt. Mit dem verstehen wir uns richtig gut!

Sam: Das ist nur ein verrückter Zufall. Nach dem wir den Song veröffentlicht hatten, spielten wir ihn das erste Mal bei einer Preisverleihung auf der auch Niko war, wir saßen sogar nebeneinander. Als er reinkam und sich setzte, erzählte er uns, wie sehr er unseren neuen Song mag. Danach ging er auf die Bühne und spielte seinen Song, ohne sich dabei etwas zu denken.

Manchmal sind es einfach diese Akkordwechsel oder Sounds, die sich einfach richtig anfühlen. Wir wurden wohl einfach zur selben Zeit von einer ähnlichen Sache inspiriert. Vermutlich hören einige deswegen eine gewissen Ähnlichkeit in den Songs.

„Sanctuary“ und „Rooftop“ sind außerdem fast zur selben Zeit fertig gestellt worden. Da hatte keiner Gelegenheit, beim anderen sich etwas abzuschauen.

 

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https://www.youtube.com/watch?v=4ZMOSLBz2WE

 

Gibt es einen Song den ihr wirklich gerne covern würdet, wenn ja, welcher wäre das?

Mikey: Wir reden ständig darüber. Aber jeder von uns hat natürlich andere Ideen oder Vorstellungen. Musik ist unter Musikern einfach immer ein Thema. Im Moment bauen wir einen Led Zeppelin Song in unser Set ein. Als eine Art Medley mit einem unserer Songs. Der Song heißt “When the Levee Breaks”. Ein Song, den ich schon immer spielen wollte.

 

Für einen Nichtmusiker bzw. „Nur-Zuhörer“ wäre es spannend zu erfahren, wie eure Songs entstehen. Sitzt ihr alle zusammen im Studio und dann legt ihr los? Oder ist es wahr, dass „Legendary“ unter der Dusche entstanden ist?

Sam: Das ist wahr! Ansonsten hat jeder Song seinen eigenen Prozess.

 

Ihr habt „Legendary“ zusammen geschrieben. Habt ihr den Song dann in einer Umkleidedusche geschrieben oder musstet ihr euch die Dusche teilen?

Mikey: Nein, nein! Es waren schon getrennte Duschen (alle lachen).

Sam: Ich lege oft mein iPhone auf das Waschbecken und nehme meinen Gesang unter der Dusche auf, wenn ich irgend etwas im Kopf habe. Unter der Dusche singe ich immer einfach laut los. Frisch geduscht wusste ich wenig später, wie „Legendary“ klingen sollte.

Dann habe ich den Song noch einmal ohne Dusche gesungen und ihn den anderen von der Band vorgespielt. Vorher zog ich mir übrigens noch etwas an. Dann machten wir uns an die Arbeit und haben das Lied aufgenommen. Das ist ein konkretes Beispiel, jeder Song entsteht anders. Viele entwickeln sich auch einfach, wenn wir miteinander jammen.

 

In diesem Augenblick geht die Tür auf und wir werden höflich dran erinnert, dass auch noch einige andere Termine für die beiden Musiker anstehen. Wir hatten auch einen schönen Punkt in unserem Gespräch erreicht und frotzelten noch über mögliche Aufnahmen im Pool oder in der Badewanne.

Die beiden Musiker versprachen uns, dass wir uns garantiert wiedersehen und entschuldigten sich, dass sie jetzt – wo es anfing lustig zu werden – zum nächsten Termin eilen müssten.

Nicht nur Sam und Mikey waren an diesem Tag gefragt, auch wir hatten noch einen ganz wichtigen Termin zu erledigen, meine Großmutter feierte an diesem Tag ihren 90. Geburtstag. Glücklich traten wir die Rückreise an und ich hatte meiner Familie Einiges zu erzählen.

P.S.: Wir werden Welshey Arms demnächst wiedersehen, denn sie kommen im Herbst auf Deutschland-Tournee.

 

Tourdaten

02 Nov 2018 Gibson Frankfurt am Main

04 Nov 2018 Strom München

05 Nov 2018 BiNuu Berlin

11 Nov 2018 Logo Hamburg

12 Nov 2018  Gloria Theater Köln

 

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