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Als eine irische Familienband plötzlich den Atem raubte
Es gibt Bands, bei denen man schon beim ersten Blick erkennt, dass sie etwas Besonderes verbindet. Bei The Corrs war das keine ausgedachte Bühnenidee, sondern Familie. Andrea, Sharon, Caroline und Jim Corr kamen aus Dundalk im irischen County Louth. Sie waren Geschwister, spielten gemeinsam Musik und hatten schon lange bevor die Welt von ihnen Notiz nahm gelernt, miteinander zu musizieren. Andrea sang und spielte unter anderem Tin Whistle und Mandoline, Sharon war die Geigerin, Caroline kümmerte sich um Schlagzeug und Percussion, und Jim spielte Gitarre und Keyboards.
Als The Corrs Mitte der 1990er Jahre ihre ersten Singles veröffentlichten, waren sie zunächst vor allem in Irland und Großbritannien ein Geheimtipp. „Runaway“ kam 1996 nur auf Platz 49 der britischen Charts. Zwei Jahre später änderte sich das Bild: „Dreams“, „What Can I Do“ und „So Young“ brachten die Geschwister nacheinander in die britischen Top Ten.
The Corrs hatten damit ihren eigenen Platz gefunden: Popmusik, die von ihren irischen Wurzeln etwas mitbekommen hatte, ohne deshalb nach traditioneller Folklore zu klingen. Und dann kam ein Mann ins Spiel, der auf den ersten Blick kaum zu dieser Familiengeschichte zu passen schien.
Sein Name: Robert John „Mutt“ Lange.
Ein sonniger Tag und eine ungewöhnliche Zusammenarbeit
Mutt Lange war längst einer der bekannten Produzenten der internationalen Pop- und Rockszene. Er hatte unter anderem mit Künstlern wie Def Leppard, Bryan Adams und Shania Twain gearbeitet. Nun traf er auf The Corrs.
Aus dieser Begegnung entstand etwas, das zunächst erstaunlich unkompliziert klingt: Man beschloss, gemeinsam einen Song zu schreiben.
Andrea Corr erinnerte sich später daran, dass „Breathless“ der erste Song war, den sie gemeinsam mit Lange schrieben. Es sei ein schöner, sonniger Tag gewesen – und genau diese Stimmung habe sich auch in dem Lied wiedergefunden.
Das hört man „Breathless“ tatsächlich an.
Der Song beginnt nicht vorsichtig. Er kommt sofort auf den Punkt. Ein kurzer musikalischer Anlauf, dann setzt Andrea Corr mit einer Stimme ein, die gleichzeitig freundlich und auffordernd klingt. Die Musik treibt nach vorn, die Instrumente geben ihr Energie, und über allem liegt dieses Gefühl, das der Titel bereits verspricht: Hier bleibt niemand lange ruhig.
Inhaltlich geht es um Verführung und die aufregende Situation, wenn sich zwei Menschen näherkommen. Aber „Breathless“ ist keine langsame Liebesballade. Das Lied macht aus dem Kribbeln einen Pop-Song mit Tempo.
Und genau darin lag seine Stärke.
Die Geschwister bleiben Geschwister
Bemerkenswert ist, dass Mutt Lange den Corrs den Song nicht einfach auf den Leib geschrieben hat. Die vier Geschwister waren selbst als Autoren beteiligt. Andrea, Caroline, Sharon und Jim Corr wurden gemeinsam mit Lange als Songwriter genannt; Lange übernahm außerdem die Produktion.
Damit blieb etwas erhalten, was The Corrs von Anfang an ausgezeichnet hatte: Die Band war nicht nur eine Gruppe von Sängerinnen und Musikern, die für eine Plattenfirma zusammengebracht worden waren. Es waren vier Geschwister, die gemeinsam Musik machten.
Nur klang diese Musik inzwischen deutlich größer.
„Breathless“ war die erste Single aus dem dritten Studioalbum „In Blue“, das im Jahr 2000 erschien. Die Single wurde im Sommer veröffentlicht und entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem internationalen Hit.
In Großbritannien geschah dabei etwas, auf das die Corrs lange gewartet hatten: „Breathless“ wurde ihre erste und einzige Nummer eins der britischen Singlecharts. Am 15. Juli 2000 tauchte der Song erstmals in der britischen Hitliste auf – und stand sofort auf Platz eins. Insgesamt blieb er 16 Wochen in den britischen Charts.
Auch in Deutschland kam der Song gut an. Hier erreichte er Platz 19. In Österreich wurde Platz 10 erreicht, in der Schweiz Platz 15. In den USA kam „Breathless“ später bis auf Platz 34 und wurde damit zum einzigen Top-40-Hit der Corrs dort.
Ein Lied, das zu den Corrs passte
Man kann „Breathless“ heute leicht als typischen Pop-Hit des Jahres 2000 hören. Doch gerade im Rückblick wird deutlich, wie geschickt der Song die verschiedenen Seiten der Corrs miteinander verband.
Da waren die vier Geschwister.
Da war die irische Herkunft.
Da waren die Instrumente, mit denen sie sich von vielen anderen Popbands unterschieden.
Und da war gleichzeitig eine moderne, internationale Produktion, die problemlos im Radio neben den großen Popstars jener Zeit bestehen konnte.
Mutt Lange hatte nicht versucht, aus The Corrs eine andere Band zu machen. Er half ihnen vielmehr, ihre eigene musikalische Persönlichkeit in ein besonders direktes Popformat zu bringen.
Das Ergebnis war ein Lied, das kaum Zeit zum Durchatmen lässt.
Vielleicht ist das die schönste Pointe an „Breathless“: Der Titel beschreibt nicht nur den Inhalt. Er beschreibt auch ziemlich gut, was im Sommer 2000 mit The Corrs passierte.
Nach Jahren des langsamen Aufbaus waren sie plötzlich ganz oben angekommen.
Und für einen kurzen Moment schien die ganze Popwelt den Atem anzuhalten.
Die wichtigsten Daten
| Song | Breathless |
| Interpret | The Corrs |
| Album | In Blue |
| Veröffentlichung | 2000 |
| Songwriter | Andrea, Caroline, Sharon und Jim Corr, Robert John „Mutt“ Lange |
| Produzent | Robert John „Mutt“ Lange |
| Großbritannien | Platz 1 |
| Deutschland | Platz 19 |
| Österreich | Platz 10 |
| Schweiz | Platz 15 |
| USA | Platz 34 |
| Besonderheit | Einziger britischer Nummer-eins-Hit der Corrs |
