“Mungo Jerry” Ray Dorset im Exklusiv-Interview zu 50 Jahre “In The Summertime”

Wir arbeiten fleißig daran, euch ab sofort regelmäßig mit neuen Song-Geschichten zu versorgen. Dabei haben wir uns bemüht, mit den Musikern und Komponisten dieser Songs Kontakt aufzunehmen, um die Song-Geschichten noch weiter zu perfektionieren. Vor wenigen Wochen hat Ray Dorset seinen Hit auf einer Goldverleihung von Gotthilf Fischer präsentiert.

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https://youtu.be/Gs9DFLGyLLQ


Als Ray Dorset, der Kopf von Mungo Jerry, nun gleich mit drei neuen Alben aufwartete, hat uns die Plattenfirma den Kontakt zu Ray Dorset ermöglicht.

In diesem vor Kurzem auf schmusa erschienenen Artikel erfahrt ihr alles über die aktuellen Projekte von Ray Dorset.

Wir haben Ray Dorset unsere “Song-Geschichte” geschickt, die er aufmerksam kontrollierte.


Um diese Geschichte zu perfektionieren haben wir Ray Dorset einige Fragen zum erfolgreichsten Sommerhit aller Zeiten gestellt:

Stimmt es, dass du “In The Summertime” bereits 1968 geschrieben hast?

Ray Dorset: Ich habe es wahrscheinlich im Frühling 1969 geschrieben, ich habe mir die Melodie am Abend ausgedacht. Ich lebte in einer Maisonettenwohnung, die ich von meinem lieben Freund Joe Rush gekauft habe. Er ist dieses Jahr leider verstorben. Ich vermisse ihn sehr.

Wir hatten eine lachsrosa Fender Stratocaster (Gitarre) in einem Musikgeschäft in West-London gesehen. Sie kostete mich 75 Pfund Kaution. Joe lieh mir die Kaution, damit ich die Gitarre auf Raten abbezahlen konnte. Die Kaution für die Gitarre kostete mehr als der dreiteilige Anzug, den ich für 39 Pfund in der Feltham-Filiale des Tescos-Supermarkts gekauft hatte.

Ich habe an der Gitarre in D-Dur herumgespielt, als mir die Melodie in den Sinn kam. Sie war einfach da!

Als ich am nächsten Tag im Timex-Forschungslabor, wo ich zu dieser Zeit angestellt war, an meinem Schreibtisch saß, schoß mir die Melodie wieder durch den Kopf. Ich konnte es gar nicht erwarten, um nach der Arbeit einen Text für diesen Ohrwurm zu schreiben. Die Verse waren, genau wie die Melodie tags zuvor, bereits da. Ich musste sie einfach nur niederschreiben.

Deshalb habe ich in vielen Interviews gesagt, dass die Fertigstellung von „In The Summertime“ alles in allem nur 10 Minuten gedauert hat.

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https://youtu.be/MQeb269bvLc
“Mighty Man” war der Favorit der Band für die erste Single.

Es heißt, dass ihr von der Band lieber “Mighty Man” als A-Seite eurer Debüt-Single genommen hättet.

Ray Dorset: „Mighty Man“ ist ein Song der auf der Bühne entstanden ist. Wir spielten einen Auftritt bei einer Krankenschwester der Royal Air Force in Swindon, Wiltshire. Die Stimmung war perfekt, wir hatten unser Repertoire bereits durchgespielt, als man uns nicht von der Bühne lassen wollte. Die Jungs der Band fragten mich, was wir nun spielen sollten. Da ich das Mundharmonika-Geschirr um den Hals hatte, das aus einer C-Blues-Harfe und einem Kazoo bestand, spielte ich einfach einen rhythmischen Groove auf der Gitarre und begann spontan, den melodischen Hook auf dem Kazoo nach zwölf Takten zu schlagen. Dann begann ich zu singen was mir gerade durch den Kopf schoss. Die Zuschauer machten sofort mit und feierten, dass ich mich wie ein „Mighty Man“ fühlte. Nach diesem Auftritt wurde der Song zu einem Highlight bei jedem Auftritt, bei dem wir später auftraten. Weil der Song so unglaublich gut bei den Auftritten ankam, waren wir davon überzeugt: Wenn wir jemals die Möglichkeit bekommen sollten, eine Single aufzunehmen, dann muss es „Mighty Man“ sein.

Als wir von Barry Murray eingeladen wurden, ein paar Songs in den Pye Recording Studios als Aufnahmetest zu spielen, war „Mighty Man“ zusammen mit „Peace In The Country“, der Song, den wir aufgenommen haben.

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https://youtu.be/78x7xVUIw70
Neben “Mighty Man” spielten Mungo Jerry “Peace In The Country” bei ihrer ersten Probeaufnahme in den PYE-Studios. Der Song stammt natürlich auch aus der Feder von “Mr. Mungo Jerry”, Ray Dorset.

Einen Tag nachdem “In The Summertime” in Großbritannien veröffentlicht wurde, habt ihr den Song direkt vor Live-Publikum gespielt.

Ray Dorset: Die Wahrheit ist, wenn ich mich nicht total irre, haben wir auf dem mittlerweile legendären Hollywood Festival „In The Summertime“ gar nicht gespielt. In jedem Fall war natürlich „Mighty Man“ dabei.

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https://youtu.be/M-oI6O0FP30

Das müssen wir ja dann auch in unserer Song-Geschichte ändern. Trotzdem hat dieses Festival zu eurer plötzlichen Popularität beigetragen. Sind noch Erinnerungen an diesen Auftritt geblieben?

Ray Dorset: Diese Show, die wir am 23. Mai 1970 gegeben haben, wird mir für immer in Erinnerung bleiben. Wir kamen schon euphorisch an, schließlich hatten wir gerade unsere erste eigene Schallplatte veröffentlicht. 35.000 Zuschauer haben uns begeistert empfangen. Vom ersten Ton an klatschten alle mit und klopften und stampften auf allem, was der Rhythmus unserer Songs vorgab. Der Groove ging wie von Zauberhand auf das Publikum über. Die Zuschauer waren geradezu hörig bei diesem Auftritt. Als ich vor lauter Begeisterung „Zieht euch aus“ in die Menge rief, taten es viele im Publikum. Dabei war es nur ein Spruch, den ich gerne gebraucht habe, wenn ich dem Publikum sagen möchte, dass sie ihre Hemmungen ablegen sollen.

Die Presse sprach nach diesem Festival von “Mungomania”.

Ray Dorset: Es liegt wohl in der Sache jedes Journalisten, die Aufmerksamkeit ihrer potenziellen Leser auf sich zu ziehen. So hat der Redakteur, der über das Festival in Soley geschrieben hat, diesen Begriff kreiert.

Der Erfolg kam für euch somit im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht. Wenig später stand “In The Summertime” in den Charts, um in der 2. Woche bereits auf Platz 1 zu stehen. Kann man bei so plötzlichem Erfolg auf dem Boden bleiben?

Ray Dorset: Ich hatte nicht viel Zeit, um darüber nachzudenken, was passiert war. Mein Kopf war wahrscheinlich lange Zeit „in den Wolken“.

Bis dahin habe ich noch nie in einem Flugzeug gesessen. Wir flogen zu einem Auftritt nach Hamburg. Auf dem Rückflug saß ich neben Spencer Davis. Er hatte Welthits mit der Spencer Davis Group wie „Keep on Running“ und „Somebody Help Me“, die übrigens der verstorbene Jackie Edwards komponiert hat. Spencer und ich hatten uns viel zu erzählen während des kurzen Fluges. In den vergangenen 50 Jahren haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt und die Erinnerung an diesen ersten Auftritt außerhalb von Großbritannien werde ich auch nie vergessen.

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https://youtu.be/wvUQcnfwUUM

Welche Erinnerungen hast du an euren ersten Auftritt in Deutschland?

Ray Dorset: Der Auftritt beim Festival in Hamburg war eher kühl (es war wahrscheinlich auf dem verregneten „Love & Peace – Festival“ auf Fehmarn). Fasziniert hat mich an Hamburg ein schwarz-weißer Festival-Flieger mit einem Bild von mir, das aus mehreren Teilen bestand.

Gut erinnere ich mich an einen wenig späteren Auftritt bei einem Festival in Aachen. Dort spielte das Publikum verrückt. Es war riesig.

Was ist aus den anderen Bandmitgliedern geworden?

Ray Dorset: Ich spreche nicht gern über die anderen Bandmitglieder der ersten Stunde. Der Grund ist, dass Colin Earl und Paul King einen misslungenen Versuch unternommen haben, den Namen Mungo Jerry zu entführen, um mich aus der Band zu verdrängen. Heute verbindet man den Namen Mungo Jerry nur noch mit mir. Ich bin heute Mungo Jerry, der Künster und Frontmann. Dazu bleibe ich Ray Dorset, der Komponist und Produzent.

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https://youtu.be/i2j8eVZiDxA
50 Jahre nach “In The Summertime” hat Mungo Jerry aktuell wieder einen Hit in Großbritannien mit “The Lookdown Thank You Song”.

Liege ich richtig, wenn ich sage, dass du ein Blues-Musiker bist? Lässt sich der fröhliche Groove der Mungo Jerry-Hits mit dem traurigen Blues vereinbaren?

Ray Dorset: Für mich gibt es keine Barrieren im Bezug auf Musik-Genres. Wenn ich in die Stimmung und den Groove eines Stils eintauchen kann, würde ich mit Sicherheit versuchen, etwas in diesem Stil zu krieren.

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https://youtu.be/1Wz_9dVJ-Ew
Bester Beweis für diese Aussage ist gewiss “Feels Like I’m In Love”, mit dem Kelly Marie einen Top 10-Hit Anfang der 80er Jahre landen konnte. Diesen Song hat Ray Dorset geschrieben und produziert.

“In The Summertime” feiert dieses Jahr 50. Geburtstag. Welche Bedeutung hat dieser Song für dich heute? 

Ray Dorset: Dieses Lied hat buchstäblich Millionen von Menschen auf der ganzen Welt Freude beschert und ist mit vielen schönen Erinnerungen verbunden. 50 Jahre, das sind fünf Generationen, die dieser Song verbindet. Das bleibende Gefühl des Liedes ist in erster Linie das der Liebe, des Friedens, des Glücks und der Feier des Lebens.

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https://youtu.be/tXSdJEBYe1Q

Mehr kann ein Song nicht erreichen. Zum 50-jährigen Jubiläum des Songs kam Rays Sohn James auf die Idee, seinem Vater eine Jubiläums-Version zu präsentieren.

Was wäre es schön, wenn wir diesen Sommer-Klassiker an einem Sommerabend am Strand feiern könnten. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. “In The Summertime” bleibt auch in den kommenden Jahrzehnten aktuell. Es ist ein “Volkslied” geworden.

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