Helmut Lotti im Exklusiv-Interview

Ein neues Album und eine aktuelle Tournee liegt an…

Helmut Lotti im Talk über sein Album “Soul Classics in Symphony”

Mit seinem “Comeback-Album” hat sich der belgische Sänger wieder in die Herzen seiner treuen Fans gesungen. Nun liegt das Nachfolge-Album vor, über das wir uns mit Helmut Lotti ausführlich unterhalten haben.

 

 

 

 

Hast du die Devise, ein neues Album, eine neue Musikrichtung?

Helmut Lotti: Die Richtung habe ich schon in meinem vorherigen Album eingeschlagen. Auf meinem „Comeback Album“ waren bereits großartige Popsongs zu finden wie „Bridge Over Troubled Water“ von Simon & Garfunkel oder „Put A Little Love In Your Heart“, ein Gospelsong von Elvis mit „I Got Confidence“ und mit „Higher And Higher“ von Jackie Wilson auch ein erster Soul-Song.

Der Schritt war also logisch und es passt auch perfekt in die Reihe der Alben, die ich mit dem Golden Symphonic Orchestra geschaffen habe. Es ist das erste Konzeptalbum seit „Time To Swing“.

 

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Nun ist es also „Time For Soul“. Betreibst du für dein Publikum eine Art Unterricht in Musikgeschichte?

Helmut Lotti: Ich bin kein Lehrer, aber bei vielen Titeln ist es so. Es gibt einfach große Hits, die man nie vergisst wie zum Beispiel „My Girl“ von den Temptations. Diese wurden schon von vielen anderen Musikern neu aufgenommen. Bei Hits wie gerade „My Girl“ bin ich mit sehr viel Respekt vor dem Original herangegangen und habe ein größeres Arrangement gewählt und versucht einen orchestralen Sound zu geben.

Gleichzeitig war ich bemüht, den Motown-Sound ins Jetzt zu transportieren. Der Motown-Sound war schon sehr pompös. Ich wollte keinen Wettstreit mit diesem Sound, sondern Soul singen. Damals in den 60er Jahren waren den Arrangements aufgrund der analogen Technik Grenzen gesetzt. Besonders hat man es immer beim Schlagzeug gehört. Diese Probleme der Aufnahmtechnik haben wir mit digitalen Möglichkeiten perfektionieren können. Darauf bin ich sehr stolz.

 

Stolz kannst du auf das ganze Album sein. Wie hoch ist dein eigener Anteil an diesem Album?

Sehr hoch. Es gibt neben eigenen Liedern auch Stücke, denen ich einen ganz eigenen Touch verpasst habe. Da fällt mir sofort „What Becomes Of A Broken Hearted“ ein, für das ich eine eigene Brücke geschrieben habe. Das haben wir übrigens auch bei „Bring It On Home To Me“ getan.

 

Bring It On Home To Me“ kenne ich von den Animals und von John Lennon, bei denen das Lied nach schmutzigem Blues klingt…

Helmut Lotti: Die haben dieses Lied genauso gecovert wie ich. Da befinde ich mich doch in guter Gesellschaft. Das Original stammt von Sam Cooke, einem grandiosen Singer-Songwriter. Natürlich klingt es bei mir etwas anders. Ich habe den Song mit einer Couplette unterlegt, die ständig wiederholt wird.

 

Wo wir beim Blues sind. Ehrlich gestanden, „I’d Rather Go Blind“ hätte ich auch nicht unbedingt auf einem Helmut Lotti Album erwartet.

Helmut Lotti: Genau wie „Bring It On Home To Me“ ist auch „I’d Rather Go Blind“ ein schweres Blues-Stück. Mein Ziel war es genau bei diesen beiden Liedern, daraus typische Helmut Lotti-Balladen werden zu lassen. Ich finde, dass es gut gelungen ist?

 

Der fragende Ton ist nicht nötig. Wer die anderen Versionen nicht kennt, wird beide Titel für Helmut Lotti-Balladen halten. Das ist wirklich gelungen…

Helmut Lotti: Auf diese beiden Titel bin ich auch wirklich besonders stolz. Vor allem „I’d Rather Go Blind“ erkennt man doch im Grunde nur noch am Text. (Helmut beginnt zu singen) „I’d rather go blind, when I see you walk away from me!“ Du hast bestimmt auch gedacht, dass ist ein Blues Titel von einer Band aus den 60er Jahren.

 

Ja, ich kenne den Song von Chicken Chack…

Helmut Lotti: Den kenne ich auch. Das Original stammt allerdings von Etta James. Das Original ist also von einer Frau, die an dem Ende der Liebe zerbricht.

Du bist trotzdem gut. Den meisten hat der Titel nichts gesagt. Erst als sie im Song das markante „I was just“ gehört haben, sagten sie dann. Das kenne ich doch.

Wir haben dem Song eine typische Pop-Strukur verpasst. Ich habe mich sehr bemüht einen Refrain mit den original Lyrics zu schaffen. Dann musste auch etwas im Text streichen. „I’d Rather Go Blind“ ist im Original ein richtiges Klagelied. Das hätte ich nicht singen können. Ich bin ein Melodien-Sänger.

 

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Erarbeitet ihr die Songs in einem Team und kannst du dich auf deinen Produzenten blind verlassen, dass er deinen Vostellungen nachkommt?

Helmut Lotti: (Helmut lacht) Das kann ich. Ich habe dieses Album selbst produziert.

 

Ich wollte gerade behaupten, dass du deinem Idol Elvis Presley immer ähnlicher wirst. Dabei hast du ihn zumindest in Sachen Produktion sogar überholt.

Helmut Lotti: Das stimmt nicht so ganz. Elvis hat bei seinen Alben eigentlich alles bestimmt. Er hat nur nicht selbst geschrieben. Das war nicht sein großes Talent, aber er hat sehr viel an den Songs bestimmt. Er wusste immer genau, was er wollte. Er hat sogar ganze Melodien verändert.

Elvis Presley ist mein großes Vorbild. Er bleibt als Gesamtpersönlichkeit unerreicht.

 

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Eines habt ihr in jedem Falle gemeinsam. Aus fertigen Songs, eigene Songs zu entwickeln.

Helmut Lotti: Das stimmt wohl. Wenn ich noch etwas an dem Text verändert hätte, wäre „I’d Rather Go Blind“ ein eigener Song geworden. (Er lacht dabei schelmisch).

 

Es sind auch drei eigene Songs auf deinem neuen Album. Dazu kannst du uns bestimmt auch etwas erzählen…

Helmut Lotti: „Walking“ habe ich zusammen mit einem Kollegen geschrieben.

 

Es klingt beim ersten Hinhören nach einem Hochzeitslied…

Helmut Lotti: Das wäre sehr peinlich, wenn du es auf einer Hochzeit spielst. Du musst dir den Text etwas genauer anhören.

 

Ich bin in typischer Deutscher, der sich erst nach dem 50. Hören auch mit dem Text beschäftigt.

Helmut Lotti: Das geht mir bei den meisten Liedern zunächst auch so. Ich höre auch nicht sofort auf den Text. Es sei denn, es ist ein Interpret bei dem ich weiß, dass ich auf den Text achten muss.

In „Walking“ geht es um eine Hochzeit, die meine hätte sein sollen. Ich bin zwar dort, aber sie heiratet einen anderen.

 

Ok, dann passt es nicht so gut auf eine Hochzeitsfeier. Dann ist da „No More Wasted Years“.

Helmut Lotti: Das habe ich allein geschrieben.

 

Bei diesem Lied habe ich das Gefühl, Elvis lebt.

Helmut Lotti: Danke.

 

Das war keine Kritik!

Helmut Lotti: Ich habe es verstanden, das ist ein schönes Kompliment. Ich war in diesem Moment ein wenig verlegen, dass Danke die einzig richtige Antwort war.

Das Thema Elvis Presley passt auch auf das Album. Er war bei Songs wie „Suspicious Mind“ auch ein Soul-Sänger.

 

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Und dann ist da noch „Beautiful Life“…

Helmut Lotti: Das habe ich zusammen mit meiner Freundin geschrieben.

 

Weil ihr es lebt, das „beautiful Life“, das schöne Leben?

Helmut Lotti: Ja, wir sind sehr glücklich.

 

Ist sie auch deine Duett-Partnerin bei „If You Don’t Know Me By Now“?

Helmut Lotti: Nein, Edsilia Rombley ist eine holländische Sängerin mit einer phantastischen Stimme. Wenn du mich mit Elvis vergleichst, dann würde ich Edsilia mit Gladys Knight vergleichen.

 

Cooles Duett der belgische Elvis mit der holländischen Gladys Knight. Wird man euch auch während deiner Tournee gemeinsam auf der Bühne sehen?

Helmut Lotti: Das glaube ich eher nicht. Edsilia ist in den Niederlanden eine sehr populäre und angesagte Sängerin. Sie hat viel zu tun.

Es war wirklich eine tolle Zusammenarbeit mit dieser großartigen Sängerin. Sie wusste genau, was sie wollte im Studio. Das Ergebnis lässt sich doch gut anhören.

 

Alles auf deinem Album „Soul Classics in Symphonie“ lässt sich gut anhören. Ich hatte nicht so viel Zeit, dass ich mir das Album mehrfach anhören konnte. Dann könnte ich dir meine Favoriten nennen. Wir wollen doch nicht meine Meinung, sondern deine Erlebnisse im Studio, deine Entscheidungen für die Auswahl der Songs erfahren. Das ist viel spannender! Kommen wir zum Ray Charles Titel „Halleluja I Love You So“.

Helmut Lotti: Das ist ein häufig gecoverter Song. Die meisten Versionen sind noch langsamer und binärer als das Original. Ich wollte näher am Original bleiben, das jazzige beibehalten und es mit ein wenig Bigband Sound ausstatten. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist.

 

Es ist gelungen und ich wiederhole es gern wie das ganze Album. Zu „Wonderful World“ und „Easy“ braucht man nicht viel sagen. Das sind zwei Lieder, die klingen als wären sie für dich geschrieben worden. Was allerdings sehr mutig war, „Purple Rain“ von Prince neu aufzunehmen.

Helmut Lotti: Für mich ist Prince ein Soul-Sänger. Funk ist auch eine Form von Soul. „Purple Rain“ ist Funk und für mich kein Rock-Song. Das einzig rockige an dem Song ist die Gitarre. Alles andere kommt aus tiefer Seele, es ist also Soul.
Ich wollte gerade dieses Lied immer singen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Elvis dieses Lied auch gecovert hätte.

 

Eines stimmt ganz sicher, er war bei seiner Songauswahl auch immer sehr mutig. Du hast es auch geschafft, „Purple Rain“ zu deinem Lied zu machen. Der Favorit in der Redaktion beim ersten Hören war eindeutig „So You Win Again“ von Hot Chocolate. Das ist wirklich hitverdächtig. Für junge Leute ist der Song auch etwas ganz Neues musste ich feststellen. Für mich war es ein Song meiner Zeit für die 18- bis 25-Jährigen unter uns war es ein neuer Song, nach dem man gut tanzen kann.

Helmut Lotti: Das freut mich, wenn ich so eine Reaktion höre.

In dem Ort, in dem ich lebe, habe ich früher jedes Wochenende in der Diskothek aufgelegt. Da war „So Win Again“ oft dabei und wenn wir in der Nacht fertig waren und unter uns, habe ich selbst auch nach „So Win Again“ gern getanzt. Das war ja damals auch eine Art Soul-Revival: Soft-Soul unterlegt mit Tanzrhythmen. Ein richtiger Diskothekenhit.

 

Wir sind das neue Album jetzt Titel für Titel durchgegangen. Es ist der Nachfolger vom „Comeback-Album“. Dein Comeback ist geglückt. Was hat sich nach dem Comeback in deiner Karriere geändert?

Helmut Lotti: Was ist anders als vorher? Ich fühle mich befreit. Ich habe alles das getan, was ich vorher nicht machen konnte. Dazu gehört das Album vor dem Comeback-Album in meiner Heimat. Es ist ein Album mit eigenen Songs auf Niederländisch. Und natürlich, dass ich meine persönliche Auswahl der Songs bei den aktuellen Alben treffen durfte.

Ich brauchte die Pause, um zu begreifen, dass meine Karriere ein Geschenk ist. Das habe ich vor 15 Jahren noch nicht so gesehen. Es gibt bei allem, was man macht 80% tolle Sachen und 20% Dinge, die man nicht so gerne macht. Und wenn die 20% im Kopf zu groß werden, dann muss man mal an die Seite gehen und über alles nachdenken.

Jetzt genieße ich die 80% und die 20% naja…

 

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Zu den 20% gehören ganz bestimmt die vielen Interviewtermine, so wie unseres gerade?

Helmut Lotti: Wir haben über Musik gesprochen. Das ist etwas Schönes und gehört zu den 80%.

 

Wenn man die Zeitschriften nach deinem Comeback gelesen hat, dann interessierte vor allen anderen Dingen deine Haare, die ähnlich wie bei mir auch, kaum noch da sind…

Helmut Lotti: Das ist auch jetzt noch so bei vielen Interviews die ich geführt habe.

 

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Es gibt da dann doch noch eine wichtigere Frage. Du gehst auch mit deinem neuen Album wieder auf Tournee. Was haben deine Fans von dir zu erwarten?

Helmut Lotti: Im ersten Teil wird es Teile meines neuen Albums zu hören geben. Wie es sich für ein Soul Album gehört, habe ich dazu auch eine Choreographie ausarbeiten lassen und werde ein paar passende Tanzeinlagen bringen. Das wird bestimmt lustig. Mein Publikum und ich lachen auch gerne miteinander.

Im zweiten Teil kommen die Fans dann voll auf ihre Kosten, denn es wird eine Art „Best Of Helmut Lotti“ geben. Ich freue mich auf die Live-Auftritte und werde meinem Publikum eine große Show bieten, damit sie an diesem Abend glücklich nach Hause gehen.

Vielen Dank, Helmut, dass du dir die Zeit für uns genommen hast. Vielleicht können wir unser Gespräch nach einem deiner Konzerte weiter fortsetzen.

Helmut Lotti: Das können wir gerne tun. Ich danke dir auch für das interessiante Gespräch.

 

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