Dolly Parton – I Will Always Love You

Das Original eines Welthits

Wir schreiben 1973.

Dolly Parton ist inzwischen seit sieben Jahren Teil der erfolgreichen „Porter Wagoner Show“. Porter Wagoner ist nicht nur ihr Fernsehpartner und Duettpartner, sondern auch einer der wichtigsten Menschen für ihre Karriere.

Er hat Dolly nach Nashville geholt.

Er hat ihr eine große Bühne gegeben.

Er hat ihr geholfen, sich als Sängerin zu etablieren.

Und gemeinsam sind die beiden ein äußerst erfolgreiches Country-Duo.

Aber Dolly möchte mehr.

Sie möchte allein erfolgreich sein.

Und genau hier beginnt die Geschichte eines der berühmtesten Abschiedslieder aller Zeiten.


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https://youtu.be/pW2TgGy5gjY?si=DZoojrlNS_fpCDOq


Dolly will gehen

Das Verhältnis zwischen Dolly und Porter ist kompliziert geworden.

Porter möchte, dass Dolly bei seiner Show bleibt.

Dolly möchte ihre eigene Karriere aufbauen.

Es kommt zu Spannungen.

Dolly hat sich bereits früher vorgenommen, die Zusammenarbeit zu beenden, bleibt dann aber länger als ursprünglich geplant.

Schließlich steht die Entscheidung fest:

Dolly muss gehen.

Aber wie sagt man einem Menschen Lebewohl, dem man einen großen Teil der eigenen Karriere verdankt?

Dolly findet ihre Antwort nicht in einem Streit.

Nicht in einer Abrechnung.

Sondern in einem Lied.

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Dolly setzt sich hin und schreibt

Und wie so oft bei Dolly geht es erstaunlich schnell.

Sie schreibt:

„I Will Always Love You“.

Der Titel klingt zunächst wie ein klassisches Liebeslied.

Vielleicht denkt man an einen Mann und eine Frau, die sich trennen.

Vielleicht an eine große Romanze.

Aber das ist überhaupt nicht die Geschichte.

Dolly schreibt das Lied für Porter Wagoner.

Es ist ihr musikalischer Abschiedsbrief.

Und eigentlich sagt sie damit:

Ich gehe – aber ich werde nie vergessen, was du für mich getan hast.


Der entscheidende Moment

Dolly nimmt das Lied mit zu Porter.

Sie sagt ihm sinngemäß:

Setz dich hin. Ich habe einen Song für dich geschrieben.

Dann singt sie ihn.

Und Porter beginnt zu weinen.

Dolly erzählt selbst, dass er ihr anschließend sagte:

„That’s the prettiest song I ever heard.“

Und dann stellt er eine Bedingung:

Dolly darf gehen.

Aber er möchte die Platte produzieren.

Und genau das tut er.

Das ist für mich einer der schönsten Momente der ganzen Dolly-Parton-Geschichte.

Denn Porter hätte allen Grund gehabt, enttäuscht oder wütend zu sein.

Stattdessen erkennt er:

Das ist ein großartiger Song.

Und er hilft Dolly sogar dabei, ihn aufzunehmen.


1974 erscheint Dollys Original

„I Will Always Love You“ erscheint zunächst als Single im Jahr 1974.

Dolly nimmt den Song in einer ganz anderen Art auf, als wir ihn später von Whitney Houston kennen.

Keine riesige Pop-Produktion.

Kein dramatischer Aufbau.

Kein orchestraler Höhepunkt.

Dolly singt ihn als Country-Ballade.

Zart.

Zurückhaltend.

Fast zerbrechlich.

Und gerade deshalb wirkt ihre Aufnahme so persönlich.


Und Dolly hat damit Erfolg

Die Originalaufnahme wird ein großer Country-Hit.

Sie erreicht Platz 1 der amerikanischen Country-Charts.

Und damit wird Dolly klar:

Der Song, den sie eigentlich als Abschied von Porter geschrieben hat, besitzt ein Leben weit über diesen persönlichen Anlass hinaus.


Aber damit ist die Geschichte noch lange nicht vorbei

Denn Dolly selbst nimmt „I Will Always Love You“ später noch einmal auf.

1982.

Für den Film „The Best Little Whorehouse in Texas“.

Und wieder erreicht ihre Aufnahme Platz 1 der Country-Charts.

Damit ist Dolly Parton die erste Künstlerin, die mit demselben eigenen Song zweimal die Spitze der Country-Charts erreicht.

Das allein wäre schon eine außergewöhnliche Geschichte.

Aber dann kommt:

Whitney Houston.


1992 passiert etwas Unglaubliches

Whitney Houston spielt die Hauptrolle im Film:

„The Bodyguard“.

Für den Soundtrack wird nach einem passenden großen Song gesucht.

Und Whitney entscheidet sich für:

Dolly Partons „I Will Always Love You“.

Eigentlich ist das zunächst gar nicht die geplante Nummer für den Film.

Aber Whitney und Produzent David Foster machen daraus etwas völlig Neues.

Die Country-Ballade wird zu einer großen Pop- und Soul-Ballade.

Und dann passiert das Unfassbare:

Whitney singt den Song.

Und die Welt explodiert.


Aber Dolly verliert ihren Song nicht

Das ist für unsere Geschichte wichtig.

Denn manchmal wird bei „I Will Always Love You“ so getan, als wäre es eigentlich Whitneys Lied.

Das stimmt natürlich nicht.

Dolly Parton hat es geschrieben.

Sie hat es zuerst aufgenommen.

Sie hat damit bereits zweimal die Spitze der Country-Charts erreicht.

Whitney Houston macht daraus später einen der größten Pop-Hits aller Zeiten.

Und Dolly verdient selbstverständlich als Songwriterin an diesem gigantischen Erfolg.


Dolly war von Whitney überwältigt

Dolly hat Whitney Houston für ihre Interpretation immer bewundert.

Nach Whitneys Tod 2012 sagte Dolly, sie sei dankbar und voller Ehrfurcht vor der außergewöhnlichen Interpretation ihres Liedes.

Und ich finde, genau diese Haltung sagt viel über Dolly aus.

Sie hätte sagen können:

„Das ist mein Lied.“

Stattdessen konnte sie anerkennen:

Whitney hat ihm ein zweites Leben gegeben.


Und trotzdem klingt Dollys Original heute vielleicht sogar trauriger

Wenn man beide Aufnahmen hintereinander hört, erkennt man etwas Faszinierendes.

Whitney Houston singt:

Ich werde dich immer lieben.

Dolly Parton sagt es.

Das ist ein Unterschied.

Whitneys Version ist groß.

Dramatisch.

Fast überwältigend.

Dollys Version dagegen klingt wie ein Mensch, der wirklich Abschied nimmt.

Und plötzlich versteht man:

Es geht überhaupt nicht um einen Liebhaber.

Es geht um Dankbarkeit.

Um eine gemeinsame Geschichte.

Um den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen.


„I Will Always Love You“ ist deshalb auch eine Emanzipationsgeschichte

Dolly sagt Porter nicht:

„Du hast mir nichts bedeutet.“

Ganz im Gegenteil.

Sie sagt:

Du hast mir sehr viel bedeutet.

Aber:

Jetzt muss ich meinen eigenen Weg gehen.

Das ist ein erstaunlich reifer Gedanke.

Und vielleicht war genau das die Voraussetzung dafür, dass Dolly Parton später diese unglaubliche Solokarriere aufbauen konnte.


Und Porter Wagoner?

Die beiden gehen zunächst getrennte Wege.

Aber ihre gemeinsame Geschichte endet nicht in Feindschaft.

Dolly bleibt Porter verbunden.

Sie würdigt ihn immer wieder.

Und als Porter Wagoner 2007 stirbt, ist längst klar:

Die sieben gemeinsamen Jahre haben Dollys Leben entscheidend geprägt.

Und das Lied, das sie ihm zum Abschied schrieb, überlebt beide.


Drei Worte, die zu Dolly passen

Wenn ich unsere drei Dolly-Geschichten nebeneinanderlege, sehe ich eigentlich drei verschiedene Frauen.

„Jolene“

ist Dolly als Ehefrau und Geschichtenerzählerin.

„9 to 5“

ist Dolly als selbstbewusste Frau, die gesellschaftliche Themen in einen Ohrwurm verwandelt.

Und:

„I Will Always Love You“

ist Dolly als Mensch.

Eine Frau, die weiß:

Manchmal muss man gehen, obwohl man einen Menschen liebt und dankbar für alles ist, was man gemeinsam erlebt hat.



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