Tim Curry – I Do the Rock

Der Mann, der einfach alles konnte

Manchmal gibt es Künstler, bei denen man sich fragt:

Was konnte dieser Mensch eigentlich nicht?

Schauspieler.

Sänger.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/GoPIrHvqrg0?si=_YIUYgGDtu57RsvB

Bühnendarsteller.

Synchronsprecher.

Musicalstar.

Filmstar.

Fernsehstar.

Und manchmal sogar das personifizierte Böse.

Tim Curry war all das.

Am 19. April 1946 wurde er in Cheshire in England geboren. Dass ausgerechnet dieser zurückhaltende Brite eines Tages zu einer der auffälligsten Figuren der Popkultur werden würde, war damals kaum vorstellbar.

Doch Curry hatte schon früh eine besondere Begabung:

Er konnte eine Figur nicht einfach spielen.

Er konnte sie zum Leben erwecken.

Und bevor die Welt ihn als Dr. Frank-N-Furter kennenlernte, stand er bereits auf der Bühne.

London, „Hair“ und der Weg zum Theater

Curry begann seine professionelle Karriere Ende der sechziger Jahre.

1968 stand er in London in der Produktion von „Hair“ auf der Bühne.

Das war eine Zeit, in der das Musical nicht mehr nur aus großen Kulissen, schönen Melodien und sauber ausgebildeten Stimmen bestand.

„Hair“ war provokant.

Es war wild.

Es war politisch.

Es war Gegenkultur.

Und für Tim Curry war es der perfekte Einstieg.

Denn Curry hatte etwas, das man nicht lernen kann:

Präsenz.

Wenn er eine Bühne betrat, schaute man hin.

Dann kam Frank-N-Furter

1973 wurde in London das Musical „The Rocky Horror Show“ uraufgeführt.

Und Tim Curry bekam die Rolle, die sein Leben verändern sollte:

Dr. Frank-N-Furter.

Ein Wissenschaftler.

Ein Verführer.

Eine vollkommen überdrehte Kunstfigur.

Curry trat im Korsett, mit hohen Stiefeln und Netzstrümpfen auf die Bühne.

Und plötzlich war klar:

Dieser Mann war anders.

Sehr anders.

1975 kam die Filmversion:

„The Rocky Horror Picture Show“.

Und Tim Curry wurde zum Kultstar.

Doch das Interessante ist:

Er hätte sich damit begnügen können.

Viele Schauspieler hätten nach einem solchen Erfolg ihre Karriere auf dieser Figur aufgebaut.

Curry wollte mehr.

Er wollte Rockmusiker werden

Und genau hier kommen wir zu unserem Lied.

Tim Curry hatte nicht nur eine Bühnenstimme.

Er konnte tatsächlich singen.

1978 erschien sein erstes Soloalbum „Read My Lips“.

Doch ein Jahr später legte er nach.

1979 erschien „Fearless“.

Und darauf befand sich „I Do the Rock“.

Das Album wurde von Michael Kamen und Dick Wagner produziert. Kamen sollte später als Komponist großer Filmsoundtracks berühmt werden; Wagner war unter anderem als Gitarrist und Songwriter mit Alice Cooper und Lou Reed verbunden.

Das war also keineswegs irgendein Schauspieler, der sich mal eben ein Mikrofon vor den Mund stellte.

Curry arbeitete mit hervorragenden Musikern.

Und er nahm seine Musik ernst.

„I Do the Rock“ klingt nach 1979

Und zwar ganz bewusst.

Der Song ist Rock.

Aber er ist auch Pop.

Dazu kommen elektronische Elemente und ein Saxofon, das von David Sanborn gespielt wird. Auf „Fearless“ findet sich eine beeindruckende Studiobesetzung mit Musikern wie Bob Babbitt, Bob Kulick und eben Sanborn.

Man hört sofort:

Hier wollte jemand keinen Schlager singen.

Hier wollte jemand rocken.

Und Curry tut genau das.

Mit einer Stimme, die viel weniger geschniegelt klingt als die vieler damaliger Popstars.

Etwas rau.

Etwas theatralisch.

Und immer mit diesem besonderen Augenzwinkern.

„I Do the Rock“ wurde sein größter Solo-Hit

In den USA kam die Single in die Billboard Hot 100.

Sie erreichte dort Platz 91.

Das klingt zunächst nicht spektakulär.

Aber für Tim Curry war es der größte Erfolg seiner Solokarriere.

Und genau deshalb ist „I Do the Rock“ heute so interessant.

Denn der Song beweist:

Tim Curry war tatsächlich ein Musiker.

Nicht nur ein Schauspieler, der gelegentlich sang.

Nicht nur Frank-N-Furter.

Nicht nur ein Musicaldarsteller.

Er hatte eine eigene musikalische Karriere.

Und Curry wollte sich nicht festlegen lassen

Das war überhaupt eines seiner großen Talente.

Nach „Rocky Horror“ hätte man ihn für immer mit Frank-N-Furter verbinden können.

Doch Curry spielte dagegen an.

Er ging ins Studio.

Er machte Platten.

Er spielte Theater.

Er drehte Filme.

Und später übernahm er Rollen, die mit Frank-N-Furter überhaupt nichts mehr zu tun hatten.

1985 etwa spielte er in „Clue“ den Butler Wadsworth.

1990 kam eine Rolle, die einen völlig neuen Schrecken in die Wohnzimmer brachte:

Pennywise.

Der Clown aus Stephen Kings „It“.

Und plötzlich hatten viele Menschen, die Curry bisher als extravaganten Rockmusiker und Musicalstar kannten, Angst vor ihm.

Das ist die unglaubliche Spannweite dieses Mannes

Frank-N-Furter.

Wadsworth.

Pennywise.

Long John Silver.

Könige.

Schurken.

Komische Figuren.

Dramatische Rollen.

Kinderfilme.

Animationsproduktionen.

Videospiele.

Curry konnte seine Stimme und seinen Körper so vollständig verändern, dass man manchmal kaum glauben wollte, dass dahinter derselbe Mensch steckte.

Aber heute wollen wir ihn singen hören

Und deshalb ist „I Do the Rock“ heute so passend.

Denn wir erinnern uns nicht an den Horrorclown.

Wir erinnern uns nicht an den verrückten Wissenschaftler.

Wir erinnern uns an Tim Curry, den Rockmusiker.

1979 steht er vor einem Mikrofon.

Das Album heißt „Fearless“.

Und er sagt musikalisch:

Ich mache Rock.

Nicht:

„Ich bin der Schauspieler aus Rocky Horror.“

Nicht:

„Ich spiele jetzt auch noch Sänger.“

Sondern:

Ich mache Rock.

Und das Album war tatsächlich erfolgreich

„Fearless“ war Currys kommerziell erfolgreichstes Soloalbum.

Es erreichte Platz 53 der Billboard 200.

Das ist eine bemerkenswerte Leistung.

Denn Curry hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seine große Rolle in „Rocky Horror“.

Er hätte also leicht als Kuriosität vermarktet werden können:

„Der Frank-N-Furter macht jetzt eine Platte.“

Doch „Fearless“ war ein ernsthaft produziertes Rockalbum.

Und „I Do the Rock“ wurde daraus sein bekanntester Solosong.

Vielleicht war genau das sein Problem

Tim Curry war so vielseitig, dass eine einzelne Karriere kaum ausreichte, um ihn zu beschreiben.

Als Musiker war er erfolgreich.

Aber als Schauspieler wurde er weltberühmt.

Deshalb blieb seine Musik vielen Menschen verborgen.

Wer heute „I Do the Rock“ hört, sagt vielleicht:

„Das ist Tim Curry?“

Ja.

Genau das ist Tim Curry.

Und heute bekommt der Song eine neue Bedeutung

Am 25. August 2026 ist Tim Curry in Los Angeles gestorben.

Er wurde 80 Jahre alt.

Nach einem schweren Schlaganfall im Jahr 2012 musste er seine öffentliche Arbeit stark einschränken. Trotzdem blieb er kreativ und arbeitete unter anderem weiter als Sprecher. 2025 erschien seine Autobiografie „Vagabond“.

Heute wird deshalb überall über Frank-N-Furter gesprochen.

Über Pennywise.

Über seine Filmrollen.

Über seine außergewöhnliche Karriere.

Und das ist völlig verständlich.

Aber vielleicht sollten wir heute einmal das Mikrofon einschalten.

Denn da steht Tim Curry.

Mitten in der Rockmusik.

Und er zeigt uns eine andere Seite.

Nicht verkleidet als Frank-N-Furter.

Nicht als Clown.

Nicht als Butler.

Sondern als Sänger.

Mit einer Band.

Mit großartigen Musikern.

Mit einem Song, der genau in seine Zeit passt.

Und mit dieser Stimme, die man nach wenigen Sekunden erkennt.

„I Do the Rock“ ist deshalb heute mehr als ein One-Hit-Wonder

Ja, der Song war kein riesiger Welthit.

Ja, Platz 91 in den USA ist weit entfernt von den Spitzenpositionen, die andere Stars erreicht haben.

Aber darum geht es heute nicht.

Es geht darum, einen Teil von Tim Curry zu bewahren, der leicht übersehen wird.

Den Musiker.

Denn hinter dem legendären Schauspieler steckte immer auch ein Mann, der Musik liebte.

Der auf der Bühne angefangen hatte.

Der mit „Hair“ seine ersten Erfahrungen sammelte.

Der mit „Rocky Horror“ eine ganze Generation elektrisierte.

Und der anschließend sagte:

Jetzt mache ich eine Rockplatte.

Und vielleicht passt gerade dieser Song zu seinem Abschied

Nicht „Sweet Transvestite“.

Nicht „Time Warp“.

Nicht irgendein Soundtrack.

Sondern „I Do the Rock“.

Denn der Titel klingt fast wie eine kleine Selbstbeschreibung.

Tim Curry machte den Rock.

Er machte Theater.

Er machte Musical.

Er machte Film.

Er machte Fernsehen.

Er machte Horror.

Er machte Komödie.

Er machte Synchronisation.

Und er machte aus jeder dieser Welten etwas Eigenes.

Ein Künstler, der sich nicht einordnen ließ

Vielleicht ist das sein eigentliches Vermächtnis.

Tim Curry war nie nur eines.

Und genau deshalb ist er so schwer zu ersetzen.

Es gibt Schauspieler.

Es gibt Sänger.

Es gibt Musicaldarsteller.

Es gibt Synchronsprecher.

Aber Tim Curry war ein Künstler, der all diese Dinge miteinander verbinden konnte.

Und manchmal stand er einfach vor einem Mikrofon und sagte:

Ich mache Rock.

1979 war das ein ziemlich guter Song.

Heute ist es eine schöne Erinnerung.

An einen Mann, der uns fast sechs Jahrzehnte lang unterhalten hat.

Und der am Ende vielleicht genau das verdient, was er mit seinem Lied selbst angekündigt hat:

I Do the Rock.

Danke, Tim Curry. 🎸

Ruhe in Frieden.

Auf dieser Website werden Cookies für eine bessere Nutzerfreundlichkeit, Zugriffsanalyse und Anzeigenmessung verwendet (z.B. Google-Dienste, VG-Wort). Weitere Informationen zur Verwendung von Cookies durch uns finden Sie in unserem Datenschutz. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.