Peter Petrel – Ich bin viel zu bescheiden

Manche Menschen müssen gar nicht lange erklären, wer sie sind. Ein Lied genügt. Bei Peter Petrel könnte es ausgerechnet eines sein, dessen Titel zunächst das genaue Gegenteil vermuten lässt: „Ich bin viel zu bescheiden“.

Bescheiden? Peter Petrel?

Wer ihn erlebt hat, dürfte bei dieser Kombination vermutlich schon geschmunzelt haben. Denn der Mann konnte eine Bühne betreten, ein Mikrofon in die Hand nehmen und aus einem ganz gewöhnlichen Abend einen besonderen machen. Er hatte diese Mischung aus Stimme, Humor und Hamburger Schnoddrigkeit, die man nicht lernen kann.

Und nun sang er also davon, wie bescheiden er sei.

Das war natürlich nicht ganz ernst gemeint.

Ein Lied mit einem Augenzwinkern

Die Geschichte begann eigentlich in Amerika. Der Country-Sänger Mac Davis hatte 1980 „It’s Hard to Be Humble“ geschrieben und aufgenommen. Der Titel lässt sich sinngemäß mit „Es ist schwer, bescheiden zu sein“ übersetzen. Ausgerechnet dieses Lied passte offenbar so gut zu Peter Petrels Humor, dass daraus für ihn die deutsche Version „Ich bin viel zu bescheiden“ wurde.

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https://youtu.be/fdczAwyLLRk?si=1ZP9_OREpDnK0Qv_

Für die deutsche Aufnahme zeichneten neben Mac Davis die Texter Frank Thorsten und Wolf Preuss verantwortlich, produziert wurde die Single von Norman Ascot. Im Oktober 1980 erschien sie bei Hansa.

Und Peter Petrel machte daraus sein ganz eigenes kleines Schauspiel.

Denn der Sänger behauptet in dem Lied mit einer Ernsthaftigkeit, die gerade deshalb so komisch wirkt, dass er eigentlich viel zu bescheiden sei. Je länger man zuhört, desto deutlicher wird: Hier nimmt sich jemand selbst auf die Schippe.

Das war eine Fähigkeit, die Peter Petrel besonders gut beherrschte.

Er musste nicht ständig beweisen, wie großartig er war. Er konnte über sich selbst lachen.

Vielleicht ist gerade das die schönste Form von Bescheidenheit.

Peter Petrel und die Hitparade

Im Fernsehen hatte Peter Petrel zu dieser Zeit längst seinen festen Platz gefunden. Und die ZDF-Hitparade wurde für „Ich bin viel zu bescheiden“ zu einer besonders schönen Bühne.

Am 12. Januar 1981 war Peter Petrel mit dem Titel in der 137. Ausgabe der Sendung dabei. „Ich bin viel zu bescheiden“ gehörte zu den Neuvorstellungen – und Peter musste sich in dieser Sendung unter anderem die Bühne mit Roy Black, Hanne Haller, Peggy March, Ingrid Peters und der Rentnerband teilen.

Doch damit war die Geschichte noch lange nicht vorbei.

Am 9. Februar 1981 kehrte Peter Petrel mit dem Lied in die Hitparade zurück. Diesmal stand er bereits auf Platz 3.

Und am 9. März war er wieder da.

Nun stand „Ich bin viel zu bescheiden“ sogar auf Platz 2.

Drei aufeinanderfolgende Ausgaben der ZDF-Hitparade – das war für Peter Petrel ein schöner Beleg dafür, dass sein kleiner musikalischer Scherz beim Publikum angekommen war.

Und wer damals die ZDF-Hitparade einschaltete, sah nicht nur irgendeinen Sänger, der seinen aktuellen Titel vorstellte. Peter Petrel war einer jener Künstler, die in diese Sendung einfach hineinzupassen schienen.

Dieter Thomas Heck moderierte die Sendungen, und Peter Petrel gehörte zu den Künstlern, die man dort gerne wieder sah.

Ob die beiden privat tatsächlich Freunde waren, lässt sich heute nicht zuverlässig belegen. Aber die vielen gemeinsamen Fernsehmomente erklären vielleicht, warum bei vielen Zuschauern genau dieser Eindruck entstanden ist.

Vom Jazz zum Schlager – und wieder zurück

Wenn man Peter Petrels Karriere betrachtet, wird erst richtig deutlich, wie ungewöhnlich dieser Erfolg eigentlich war.

Denn Peter Petrel war nie ausschließlich Schlagersänger.

Seine musikalischen Wurzeln lagen im Jazz und im Skiffle. Schon Ende der 1950er Jahre begann seine Laufbahn, später wurde er als Jazzsänger ausgezeichnet. Dann kam 1972 der große Pop-Erfolg mit den Windows und „How Do You Do?“, gemeinsam mit Jeannie McKinley.

Danach folgten die Rentnerband, seine Solokarriere und immer wieder ganz unterschiedliche musikalische Projekte.

Peter Petrel konnte also Jazz.

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https://youtu.be/bzfEBdm9QgQ?si=ZZJrRCHRPInaICwB

Er konnte Swing.

Er konnte Schlager.

Er konnte Stimmung.

Und er konnte vor allem eines: unterhalten.

Vielleicht erklärt das auch, warum „Ich bin viel zu bescheiden“ so gut zu ihm passte.

Das Lied verlangte keine große Tragödie, keine komplizierte Liebesgeschichte und keinen Sänger, der sich hinter einem Pathos verstecken musste.

Es brauchte jemanden, der den Spaß daran verstand.

Peter Petrel verstand ihn.

„Ich bin viel zu bescheiden“ – und tatsächlich ein Erfolg

In den deutschen Single-Charts erreichte Peter Petrel mit dem Titel Platz 20 und blieb insgesamt elf Wochen in der Hitparade.

Das Lied wurde anschließend sogar zum Titelgeber seines 1981 erschienenen Albums. Auf der Platte fanden sich neben „Ich bin viel zu bescheiden“ unter anderem „Hamburger Deern“, „Ich fahr so gerne Rad“, „Kalle mit der Kelle“ und „Buletten mit Senf“.

Allein diese Titelliste erzählt schon ziemlich viel über Peter Petrel.

Hier war keiner unterwegs, der sich unbedingt ein besonders ernstes Image zulegen wollte.

Das war Unterhaltung.

Und zwar Unterhaltung mit einem Musiker, der sein Handwerk beherrschte.

Der Mann, der sich selbst nicht zu wichtig nahm

Vielleicht liegt darin auch der besondere Reiz dieses Liedes.

„Ich bin viel zu bescheiden“ könnte bei einem anderen Sänger schnell nach aufgesetzter Selbstironie klingen. Peter Petrel dagegen glaubt man den Spaß.

Er hatte schließlich längst bewiesen, dass er etwas konnte.

Er hatte in Jazzclubs gesungen, war ausgezeichnet worden, hatte mit den Windows einen Nummer-eins-Hit gehabt und stand nun wieder regelmäßig im Fernsehen.

Er hätte allen Grund gehabt, sich wichtig zu nehmen.

Stattdessen sang er darüber, wie schwer es ihm angeblich falle, bescheiden zu sein.

Das ist eine ziemlich sympathische Art, mit Erfolg umzugehen.

Und vielleicht war Peter Petrel tatsächlich viel bescheidener, als es dieses Lied vermuten lässt.

Denn wer sich selbst zum Gegenstand eines solchen musikalischen Spaßes machen kann, der muss sich nicht ständig selbst erhöhen.

Ein Lied, das bleibt

Heute hört man „Ich bin viel zu bescheiden“ natürlich auch mit dem Wissen, dass Peter Petrel nicht mehr da ist.

Aber vielleicht sollte man gerade dieses Lied deshalb nicht traurig hören.

Man sollte sich lieber vorstellen, wie Peter Petrel damit auf der Bühne stand, wie er das Publikum ansah und genau wusste, dass alle verstanden hatten, was für ein kleiner musikalischer Schwindel dieser Titel war.

„Ich bin viel zu bescheiden.“

Nein, lieber Peter.

Ganz so einfach nehmen wir dir das nicht ab.

Aber wir nehmen dir ab, dass du über dich selbst lachen konntest.

Und vielleicht ist genau das eine der schönsten Erinnerungen, die ein Sänger hinterlassen kann.

Ein Lied, bei dem man noch Jahrzehnte später lächeln muss.

Und einen Sänger, bei dem man beim Wiederhören denkt:

Schön, dass es dich gab, Peter Petrel.

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