Der Schlager, der alle Maurer begeisterte
Peter Petrel hatte zu diesem Zeitpunkt schon einiges hinter sich.
Nummer eins mit Windows.
„Hamburger Deern“ mit der Rentnerband.
Erfolge als Solist.
Fernsehen.
Und dann kam Kalle.
Mit der Kelle.
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen.
Andere Sänger bauen nach einer erfolgreichen Karriere ihre Bedeutung weiter aus. Peter Petrel nahm offenbar lieber einen Kalle und gab ihm eine Kelle.
Das ist auch ein Weg.
1979 erschien „Kalle mit der Kelle“, komponiert von Christian Bruhn und getextet von Hans Bradtke. Anfang 1980 stellte Peter Petrel den Titel auch in der ZDF-Hitparade vor.
Und damit war Kalle endgültig im Fernsehen.
Ob Kalle das verdient hatte, ist eine andere Frage.
Kalle heißt Kalle
Viel muss man über Kalle eigentlich nicht wissen.
Er heißt Kalle.
Und er hat eine Kelle.
Damit ist die Geschichte schon erstaunlich weit fortgeschritten.
Peter Petrel musste daraus keine philosophische Abhandlung machen. Er sang den Titel einfach.
Das ist wahrscheinlich auch die vernünftigste Lösung.
Denn sobald man bei Kalle anfängt, nach dem tieferen Sinn zu suchen, hat man schon mehr Arbeit als Kalle selbst.
Also lassen wir das.
Kalle hat seine Kelle.
Peter Petrel hat sein Mikrofon.
Und beide sind offenbar ganz zufrieden damit.
Peter Petrel hatte allen Grund, sich wichtig zu nehmen
Er hätte es durchaus tun können.
1972 stand er mit Windows und „How Do You Do?“ auf Platz eins der deutschen Charts. Mit der Rentnerband gehörte er zur Hamburger Musikszene. „Hamburger Deern“ wurde zu seinem großen Publikumserfolg. Danach folgte eine lange Solokarriere mit zahlreichen Fernsehauftritten.
Man hätte daraus eine ziemlich beeindruckende Künstlerbiografie machen können.
Peter Petrel machte es einfacher.
„Ich bin viel zu bescheiden.“
Gut.
Das war schon einmal geklärt.
Dann kam:
„Ich bin kein Mann für eine Nacht.“
Auch eine klare Ansage.
Und schließlich:
„Kalle mit der Kelle.“
Jetzt wird es schwierig, da noch eine Linie hineinzubringen.
Vielleicht sollte man es einfach lassen.
Peter Petrel hätte das vermutlich auch getan.
Ein Titel braucht nicht immer eine Erklärung
„Kalle mit der Kelle“ ist kein Lied, das sich lange vorstellen muss.
Der Titel steht da.
Man hört ihn.
Und spätestens bei der Kelle weiß man, dass es jetzt nicht mehr um große Weltpolitik geht.
Das war vermutlich genau die richtige Umgebung für Peter Petrel.
Er konnte Unterhaltung.
Und er konnte vor allem so tun, als sei das alles vollkommen normal.
Ein Mann singt über Kalle.
Kalle hat eine Kelle.
Was soll schon passieren?
Das Entscheidende war: Peter Petrel machte den Spaß nicht größer, als er war.
Er machte ihn auch nicht kleiner.
Er sang ihn.
Fertig.
Und genau dadurch bekam der Titel seinen eigenen Charme.
Zwischen „Hamburger Deern“ und Kalle
Die Entfernung ist eigentlich gar nicht so groß.
Hier die Hamburger Szene.
Dort Kalle.
Hier die Rentnerband.
Dort die Kelle.
Peter Petrel konnte offenbar beides.
Vielleicht ist das eine der angenehmen Seiten einer langen Karriere: Irgendwann muss man nicht mehr beweisen, dass man vielseitig ist.
Man macht es einfach.
Heute großer Erfolg.
Morgen Kalle.
Übermorgen wieder etwas anderes.
Der Künstler hält das aus.
Das Publikum hoffentlich auch.
Peter Petrel nahm den Schlager ernst – aber nicht sich selbst
Das ist vielleicht der entscheidende Punkt.
Er konnte einen Schlager ordentlich singen und gleichzeitig wissen, dass nicht jedes Lied für die Ewigkeit bestimmt sein muss.
Manche Lieder sollen einfach Freude machen.
„Kalle mit der Kelle“ gehört ziemlich eindeutig in diese Abteilung.
Und Peter Petrel war genau der richtige Sänger dafür.
Nicht weil er Kalle besonders wichtig machte.
Sondern weil er ihn nicht erklären musste.
Kalle war da.
Die Kelle war da.
Peter Petrel war da.
Mehr Personal braucht diese Geschichte eigentlich nicht.
Und dann war da noch Peter Petrel
Vielleicht ist es gerade deshalb schön, sich diesen Titel heute noch einmal anzusehen.
Nicht als großen Meilenstein.
Dafür gibt es andere Lieder.
Sondern als kleinen Beweis dafür, dass Peter Petrel sich seine Leichtigkeit bewahrt hatte.
Er konnte auf großen Bühnen stehen.
Er konnte Nummer-eins-Hits singen.
Er konnte mit der Rentnerband Hamburg auf den Kopf stellen.
Und er konnte Kalle besingen.
Den mit der Kelle.
Das muss man erst einmal schaffen.
Vielleicht hätte ein anderer Sänger an dieser Stelle noch eine Erklärung geliefert.
Peter Petrel hätte wahrscheinlich einfach weitergesungen.
Und damit ist eigentlich alles gesagt.
„Ich bin viel zu bescheiden.“
„Ich bin kein Mann für eine Nacht.“
„Kalle mit der Kelle.“
Wenn man diese drei Titel hintereinanderliest, braucht man eigentlich keine ausführliche Charakterbeschreibung mehr.
Man braucht nur ein wenig Vorstellungskraft.
Und vielleicht ein leichtes Grinsen.
Peter Petrel war ein großer Sänger.
Aber er hatte offenbar nie das Bedürfnis, uns das bei jeder Gelegenheit unter die Nase zu reiben.
Zum Glück.
Sonst wäre uns Kalle womöglich entgangen.
Und das wäre nun wirklich schade.
**Kalle hatte seine Kelle.
Peter Petrel hatte seinen trockenen Humor.
Und damit war die Sache eigentlich schon ziemlich gut eingerichtet.
