Die kleinen und großen Sünden der Schlagerstars

Die Welt des deutschen Schlagers ist ein Faszinosum. Beinahe ohne Einbrüche ist Schlager seit seiner Anfangszeit im frühen 20. Jahrhundert in Deutschland bei vielen jungen, genau wie bei alten Menschen extrem beliebt. Neben der Musik hat dies sicherlich auch mit den Schlagerstars, also den Personen hinter Hits wie „Schöne Maid“, „Griechischer Wein“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“ oder natürlich auch „Atemlos durch die Nacht“ zu tun.

Doch die Schlagerstars sind dabei allemal keine Unschuldslämmer und Langweiler – was vielleicht nur zusätzlich dazu beiträgt, dass die Menschen weiterhin an ihnen und ihrem Privatleben interessiert bleiben. Immer wieder kam und kommt es zu Skandalen in der Schlagerwelt, die oft tage- oder gar wochenlang deutsche Boulevardmagazine und Shows in TV und Internet ausfüllen. Die größten dieser Skandale deutscher Schlagerstars – von damals bis heute – haben wir einmal zusammengetragen und hinterfragt.

Drafi Deutscher wird wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verurteilt

Für den großen Skandal der 60er Jahre sorgte Drafi Deutscher. Er war gerade 17 Jahre alt, als er mit „Teeny“ seinen ersten Hit landete. Seine Karriere ging steil bergauf. Mit „Marmor, Stein und Eisen bricht“ landete er einen der größten Hits aller Zeiten in Deutschland. Die Bravo berichtete fast wöchentlich über den jungen Mann, der sein Leben mit gestandenen Musikern und gleichaltrigen Halbstarken verbrachte. Oberstes Gebot war Alkohol und war immer dabei.

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https://youtu.be/LCSVR4ZfFoc

„Ich war ein Idiot wie viele in meinem Alter“, erinnerte sich Drafi Deutscher in einem Gespräch und fuhr fort, „es hatte schon seinen Sinn, dass wir damals erst mit 21 Jahren volljährig wurden. Wenn du – wie ich – 1946 ohne Vater aufgewachsen bist, dann hatte deine Mutter wenig Zeit für dich. Ich hatte das Glück, dass ich bei meiner liebevollen Großmutter aufgewachsen bin. Wer weiß, wo ich ohne sie gelandet wäre.“

Er landete in jedem Falle in den Hitparaden. „Shake Hands“, „Cinderella Baby“ oder „Heute male ich dein Bild Cindy Lou“ waren weitere Hits dieser Zeit. Mit 20 Jahren stand er auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er wurde von den Bravo-Lesern zum „Goldenen Otto Sieger“ gewählt und war der Star der Bravo-Tournee 1967. Während dieser Tournee feierten die Musiker Abend für Abend das Leben und den Erfolg bis in die frühen Morgenstunden. An einem Morgen erlöste er seine Blase vom Balkon aus. Dabei wurde er gesehen. Ob es wirklich Kinder waren, die ihn gesehen haben, konnte Drafi Deutscher nicht sagen. Der Skandal nahm seinen Lauf. Für ihn war die Tournee sofort zu Ende. Ein Gericht verurteilte ihn.

Mehr als zehn Jahre war er der „Buhmann der Nation“, der meist keine, aber wenn dann schlechte Presse bekam. Einzig sein Talent und sein Wille brachten ihn als Sänger und Komponisten wieder nach oben.

Peter Orloff und die Unterschriften

Einer der wohl ersten verzeichneten wirklichen Skandale rund um deutsche Schlagerstars ereignete sich im Jahr 1970. Betroffen davon war Peter Orloff, der Schlagerhits wie „Ein Mädchen für immer“, „Monika“ oder “Immer wenn ich Josy seh“ sang. Er komponierte für Peter Maffay den ersten Hit „Du“ und produzierte „Der Junge mit der Mundharmonika“ und „Der kleine Prinz“ mit Bernd Clüver.

Alles begann damit, dass Orloff an der ZDF-Hitparade besagten Jahres 1970 teilnahm. Die Stimmen der Zuschauer, die den Favoriten der Sendung bestimmten, wurden damals noch per Postkarte verschickt. Heute kaum noch vorstellbar, damals aber eben der ganz normale Weg, den die Schlagerfans auch von den zahlreichen Radio-Schlagerparaden kannten.

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https://youtu.be/jJw-G2Mkt8Y

Genau bei dieser Postkartenabstimmung kam es schließlich auch zum Eklat: Ganze 11.037 Postkarten mit der exakt gleichen Handschrift und demselben Poststempel, die ihren Weg per Post zur Hitparadenredaktion fanden, stimmten alle für Peter Orloff.

Peter Orloff selbst beteuerte immer wieder seine Unschuld. Wer ihn kennengelernt hat, wir es ihm abnehmen. Gerade für einen, der Rechtswissenschaften aus Überzeugung studiert hat, wäre es schwer mit seiner Ehre vereinbar. Was blieb dem ZDF übrig. Peter Orloff wurde disqualifiziert und statt ihm stand schließlich Ray Miller als Sieger der Hitparade fest.

Neben den Vorwürfen gegen Peter Orloff trat wenig später ein weiterer Verdacht auf. Ray Miller soll diese ominösen 11.037 Postkarten verschickt lassen haben, um so vor dem Schlagerstar mit den vielen Fan-Clubs zu landen. Der Gewinner dieser Aktion war in jedem Falle Ray Miller, der nach diesem Erfolg schnell in der Versenkung verschwand. Ob eine dieser beiden Behauptungen stimmt oder eventuell nur ein verrückter Fan schuld war, ist bis heute nicht geklärt.

Bekannt ist, dass die Fan-Clubs nach wie vor mit großer Mühe dafür sorgen, dass ihr Idol ins rechte Licht gerückt wird. Vielleicht ist es auch einfach das Wissen über diese Machenschaften, dass das Interesse an Hitparaden kaum noch vorhanden ist. Die ZDF-Hitparade änderte als Reaktion auf den Skandal sogar die Regeln. Ab diesem Zeitpunkt waren die Zuschauer gezwungen, bedruckte Postkarten beim ZDF zu bestellen, um schließlich ihren Favoriten wählen zu können.


Manuela und der Allgäuer Rundkäse

Sechs Jahre nach Orloffs Unterschriftenskandal löste eine der wohl bekanntesten deutschen Schlagersängerinnen aller Zeiten ihn ab: Manuela. Und auch bei ihr, die „Ich geh noch zur Schule“, „Schuld war nur der Bossa Nova“ oder auch „Schwimmen lernt man im See“ sang, spielte die ZDF-Hitparade wieder eine entscheidende Rolle. So behauptete Manuela 1976 nämlich, dass ein Redaktuer der ZDF-Hitparade insgesamt 20.000 DM Bestechungsgelder von ihr verlangt habe. Nur, weil sie diesen Aufforderung nachgekommen war, hatte sie, so die Behauptungen, bei der Starparade und Hitparade teilnehmen dürfen.

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https://youtu.be/D9kp9GMo-6E

Bei der letzten vermeintlichen Bestechungsgeldübergabe an den ZDF-Redakteur auf dem Herrenklo in der Essener Gruga-Halle entschied sich der Schlagerstar aber dafür, dem Spiel ein Ende zu bereiten. Statt der geforderten 5000 DM hatte Manuela einen Allgäuer Rundkäse dabei, den sie dem Redakteur in die Hand drückte. Der Redakteur wiederum verklagte die Sängerin daraufhin wegen Verleumdung.

Manuela gewann in der 1. Instanz und verlor in der 2. Instanz schließlich den Prozess, der sich über einen langen Zeitraum hinweg zog. Ihrer Karriere schadete der Skandal zumindest kurzfristig enorm, da die Sender die Sängerin boykottierten und die Boulevardpresse sie förmlich in Grund und Boden schrieb.

Mit dem ZDF „versöhnte“ Manuela sich allerdings spätestens im Jahr 1992 wieder. Hier erhielt sie die kleine Rolle der Mutter eines Jugendlichen in dem ZDF-Film Schuld war nur der Bossa Nova. Übrigens ist bis heute auch bei diesem Skandal nicht klar, was genau ablief und wer letztendlich die Wahrheit erzählte.


Nino de Angelo und die Schulden

Nino de Angelo, der vor allem für „Jenseits von Eden“ und „Ich sterbe nicht noch mal“ bekannt sein dürfte, war schon in diverse Skandale verwickelt. Seinen Songtexten und eigenen Angaben zufolge hatte es der Schlagersänger privat nie leicht. Neben gesundheitlichen Rückschlägen spielte er auch immer wieder mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen und er hat auch bereits mehrere Selbstmordversuche hinter sich.

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https://youtu.be/iSoBZP_vUDU


Die Skandale, in die er verwickelt war, machten es ihm sicherlich nicht unbedingt leichter. So wurde der Schlagerstar im Jahr 2014 wegen Nötigung angeklagt. Angeblich soll er gegenüber seiner damaligen Freundin im Privaten handgreiflich geworden sein. Dabei soll er den Koffer seiner Freundin aus dem Zimmer geworfen und sie am Arm gepackt haben. Er musste eine Geldstrafe zahlen, die sich auf angeblich rund 1400 Euro belief.

Zwei Jahre später, im Jahr 2016, kam schließlich heraus, dass Nino de Angelo anscheinend extrem verschuldet war. Von ganzen 1,5 Millionen Euro wurde gesprochen und De Angelo meldete Privatinsolvenz an.

2017 schließlich baute der Sänger einen skandalösen Autounfall. Stark alkoholisiert (angeblich mit über 1,5 Promille im Blut) raste er mit seinem Jaguar in eine Leitplanke. Im Polizeiwagen, auf dem Weg zur Wache, zückte er dann auch noch sein Smartphone, um ein dreiminütiges Livevideo für seine Facebookfans aufzunehmen. Unter anderem erklärte er in diesem Video der Polizistin, die am Unfallort im Einsatz war, seine Liebe.

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https://youtu.be/tTeot7N-9Js


Nino de Angelo wurde von Drafi Deutscher entdeckt. Ähnlich wie sein Entdecker ist auch er schon in jungen Jahren Opfer von Alkohol und Drogen geworden. Anders als seinem Entdecker verzeihen ihm die Fans seine Entgleisungen und wenn er diese in einen Song packt, dann kann er damit sein Comeback verbinden. Mit „Gesegnet und verflucht“ meldete sich der Sänger im vergangenen Jahr zurück. Das gleichnamige Album erschien im Februar und schaffte es auf Platz 2 der Offiziellen Deutschen Charts.


Michael Wendler und die kruden Theorien

Spätestens mit „Schlagerchampions“ wurde das Schlager-Show-Jahr 2021 durch Florian Silbereisen eingeläutet. Das Schlager-Skandal-Jahr dominiert hingegen weiterhin Michael Wendler, der schon seit einigen Monaten für Furore in den Medien sorgte.

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https://youtu.be/S1uwdhHSi8A


Denn während seine inzwischen mit ihm verheiratete Laura Müller an etlichen medialen Fronten aktiv ist, um ihr eigenes Geld zu verdienen, ist der Wendler an etlichen medialen Fronten aktiv, um seine eigenen kruden Theorien kundzutun. Alles fing irgendwie damit an, dass man mitbekam, dass der Schlagerstar von Hits, wie „Sie liebt den DJ“, „Diese Nacht“ oder „Egal“ aus der Jury der Castingshow DSDS 2020 rausgeflogen war. Doch anfangs war nicht genau klar, welche Gründe es dafür gab.

Kurz darauf jedoch verkündete der Wendler selbst in den sozialen Medien, dass es um Meinungsverschiedenheiten rund um die Corona-Pandemie ginge und man sich deshalb von ihm trennen musste. Der Schlagersänger nämlich hat dazu seine ganz eigenen kruden Theorien. Mit denen reiht er sich in eine Riege mit dem bereits vorher in ähnlicher Weise laut gewordenen Popsänger Xavier Naidoo ein, der die Maßnahmen rund um das Covid-19 kritisierte.

Der Wendler propagierte, dass rund um die Pandemie doch eine sehr einseitige Berichterstattung stattfinde. Die Medien seien gleichgeschaltet und auch der Sender RTL – bei dem er vorher in der DSDS-Jury saß – gehöre hier dazu. Weiterhin erklärte der Wendler die Maßnahmen der Bundesregierung in Bezug auf die Corona-Krise als fragwürdig. Im Zuge dessen stellte sogar die Existenz des Corona-Virus selbst infrage.


Moderatorinnenskandal im Fernsehgarten

Die Skandale in der Schlagerwelt gehen übrigens auch über die Schlagerstars selbst hinaus. Sie betreffen auch Szenebeteiligte, die selbst nicht einmal singen. So kam es 2007 zu Vorwürfen gegen Andrea Kiewel. Die Angestellte des ZDF war zwischen den Jahren 2000 und 2007 die Moderatorin des ZDF-Fernsehgartens (seit 2009 ist sie das bis heute auch wieder) und führte dabei durch unzählige Sendungen. Bei Zuschauer/-innen war und ist sie beliebt und sie fiel nie durch unangenehme Nachrichten auf.

Doch im Dezember 2007 wurden aus heiterem Himmel Vorwürfe laut, die Moderatorin nutze heimlich die Plattform des ZDF aus, um bezahlte Schleichwerbung zu betreiben. Kiewel schien einen Vertrag mit dem amerikanischen Unternehmen Weight Watchers zu haben, dass eine Diätmethode zur Gewichtsreduktion vermarktet.

In diversen Sendungen soll die „Schlager-Moderatorin“ nicht rein aus Begeisterung über ihre eigenen Erfolge beim Abnehmen mit der Methode des Unternehmens geplaudert haben. Vielmehr – so berichtete etwa auch der Spiegel damals mehrfach – habe das Ganze System gehabt. Kiewel soll im Rahmen eines „fragwürdigen PR-Vertrages“ von Weight Watchers bezahlt worden sein, um ihre Reichweite zur Werbung für das Unternehmen auch im Fernsehen zu nutzen.

Kiewel gab später immerhin zu, ein solches Vertragsverhältnis in der Sendung Johannes B. Kerner wahrheitswidrig bestritten zu haben. Der Fernsehgarten warf die Moderatorin in der Folge der Ereignisse raus – wie bereits erwähnt moderiert Kiewel seit 2009 die Sendung allerdings wieder. Die Sache hat also kurz für Furore gesorgt, wie auch die meisten Skandale der Schlagerstars selbst verpuffte er allerdings wieder schnell, um die Bühne für kommende Skandale freizumachen. Wir sind mehr als gespannt, was uns in Zukunft aus der Schlagerwelt noch alles erwartet und sollten dabei immer wissen, dass die bunten Blätter auch in Zukunft gerne aus einer Mücke einen Elefanten machen werden.

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