Zum Tod von City-Schlagzeuger Klaus Selmke die Geschichte von “Am Fenster”

Wie wir gerade erfahren haben, ist Klaus Selmke, der Schlagzeuger der Band City, heute Nachmittag gestorben. Er litt seit Jahren an Krebs und hat jetzt im Alter von 70 Jahren den Kampf gegen die Krankheit verloren. Die Band hat ihre Homepage schwarz gestellt. Auf der facebook-Seite ist nur diese Nachricht zu lesen.

Wie wir gerade erfahren haben, ist der Schlagzeuger der Band City heute Nachmittag gestorben. (Auf dem Foto ganz rechts). Die Homepage der Band ist schwarz geschaltet. Auf der facebook-Seite findet man diesen Hinweis.

Bei City werden die meisten an ihren Hit “Am Fenster” denken. Deshalb halten wir es für richtig, dass wir die Geschichte des Songs an dieser Stelle erzählen.

City – “Am Fenster”

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https://www.youtube.com/watch?v=2vzafGHkdmM

Fritz Puppel war Musikdozent an der Musikschule Friedrichshain in Ost-Berlin. Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Klaus Selmke gründete er 1972 die City Band Berlin. In den Anfangsjahren wechselten regelmäßig die Mitglieder. Aber mit jedem Wechsel gelang es den beiden Gründern der Band, ein Stück professioneller zu werden. Das geschah mit dem neuen Bassisten Georgi Gogow, der auch Violine spielen konnte und damit der Band ganz neue Möglichkeiten eröffnete. Als 1975 Toni Krahl als neuer Sänger anheuerte, war City perfekt, um das Angebot anzunehmen, eine Schallplatte aufnehmen zu dürfen. Weitere Musiker kamen und gingen wieder, nur Manfred Hennig blieb. In dieser Besetzung ist City bis heute zusammen und immer wieder live zu erleben.

Wie bereits erwähnt, beherrscht der Bassist Georgi Gogow, der 1974 zur Band kam, auch das Spiel der Geige und der Violine. Sein Onkel spendierte dem Neuen in der Band seine alte Geige, um ihm die Möglichkeit zu geben, sich kreativ zu entwickeln. Gemeinsam mit dem Schlagzeuger versuchte er das Streichinstrument in der Rockmusik etablieren. Sie hielten sich dabei lange Zeit mit der Folklore Bulgariens auf und nahmen auch von anderen Stilrichtungen das eine oder andere mit, um einen eigenen City-Sound zu entwickeln. Mit dem Ergebnis waren die beiden und auch der Rest der Truppe zufrieden.

Die perfekte Idee brachte der damalige Sänger Emil Bogdanow in Form eines Buches ein. Er beschäftigte sich mit einem Gedichtband der Leipziger Schriftstellerin Hildegard Maria Rauchfuß, um sich für Texte zur eigenen Musik zu inspirieren. Eines der Gedichte, das ihm besonders gefiel, trug den Namen „Am Fenster“. Das Gedicht gefiel allen Bandmitgliedern und sie komponierten eine passende Melodie zum Gedicht. Das Arrangement des Titels übernahm der Geiger und Bassist. Als sie den Song das erste Mal bei einem Auftritt spielten, wurde den Musikern bewusst, dass sie etwas Besonderes geschaffen haben. Natürlich stellten sie den Song auch der Plattenfirma vor, doch die hielt das Stück für wenig hitverdächtig und lehnten eine Aufnahme als Single ab.

Emil Bogdanow sollte zum Militär eingezogen werden, setzte sich ab und floh nach Schweden. Wie bereits erwähnt wurde er durch Toni Krahl ersetzt. Der neue Sänger musste das gesamte Repertoire auf die Schnelle erlernen. Dazu kamen Probeaufnahmen von „Am Fenster“, das die Band an die Redaktionen der beiden populären Rundfunksendungen „Beatkiste“ und „Notenbude“ weiterleiten durften.

Bei dem kurzfristig eingeräumten Aufnahmetermin geriet Toni Krahl dann in die Bredouille, denn mitten bei der Aufnahme war die zweite Strophe plötzlich weg. Doch der neue Sänger war Profi genug und sang die erste Strophe einfach noch einmal. Diese Version erhielt dann „die Beatkiste“, die „Am Fenster“ am 21. Juli 1977 zum ersten Male einsetzten. Als ob die Halbe DDR auf diesen Augenblick gewartet hatte, dass endlich etwas Neues im Radio passierte, war die Resonanz auf diesen Einsatz überwältigend. Umgehend wurde die „fehlerhafte Version“ der Band als Single herausgebracht.

Ab sofort verbreitete sich Citys „Am Fenster“ in Windeseile, was für die damaligen Verhältnisse im Jahr 1977 in der Deutschen Demokratischen Republik ohne großen Medieneinsatz stattfand. Dafür fand kaum eine Feier ohne den neuen Hit aus der Hauptstadt statt. Immerhin reichten die Rundfunkeinsätze dafür aus, dass „Am Fenster“ auch in Westdeutschland wahrgenommen wurde. Die Plattenfirma Teldec wollte den Song herausbringen, was auch 1978 in die Tat umgesetzt wurde. Für eine Band, die im Westen tätig war, musste auch eine Langspielplatte herausgebracht werden. Auch da half der Westen in Person von Peter Schimmelpfennig, der als Verleger der City-Kompositionen tätig war. Er investierte 25.000 DM und stellte die Summe der Ostdeutschen Plattenfirma Amiga zur Verfügung.

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https://www.youtube.com/watch?v=RbBNJ0rSCl4
Die Album-Version von “Am Fenster” in einer Länge von 17:24 Min.

Eine Investition, die der Herr Schimmelpfennig bestimmt nicht bereut hat, denn City nahmen auf der A-Seite des Albums eine 17 Minuten und 40 Sekunden lange Aufnahme ihres Hits auf. Eine Aufnahme, die das Album ganz schnell vom Geheimtipp zum Hit werden ließ. City waren vor 40 Jahren in vielen Teilen der Bundesrepublik in aller Munde. „Am Fenster“ war ein Riesenhit in Szenekneipen und alternativen Tanztempeln.

Übrigens wurde „Am Fenster“ auch in Griechenland ein großer Erfolg. Ob es nun Gastarbeiter in Deutschland oder deutsche Touristen, die es nach Griechenland zog, waren, die dafür sorgten, dass der Song dort so erfolgreich wurde, weiß keiner genau. In jedem Falle war City erst die dritte ausländische Gruppe, die in Griechenland mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet wurden.

“Am Fenster” ist in jedem Falle ein ganz besonderer Song, mit dem das Andenken an den heute verstorbenen Klaus Selmke würdig vertreten wird.



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