Terry Jacks mit “Seasons In The Sun” in den Song-Geschichten 34

Im Frühjahr 1974 eroberte ein Kanadier die Charts der Welt und landete den traurigsten Sommerhit aller Zeiten. Gut einen Monat nachdem er auf Platz 1 in den US-Charts stand, ging es auch auf den Spitzenplatz in Großbritannien. Terry Jacks war der erste Kanadier seit 17 Jahren – damals war es Paul Anka – der dort die Spitze eroberte.

Terry Jacks – “Seasons In The Sun”

Original: Jacques Brel – „Le Moribond”
Englisches Original: Rod McKuen – “Seasons In The Sun”

29. Januar 2015, der Todestag von Rod McKuen
2. März 1974, “Seasons In The Sun” von Terry Jacks klettert auf Platz 1 der US-Charts
29. März 1944, Terry Jacks kommt in Winnipeg, Manitoba, Kanada, zur Welt
8. April 1929, Jacques Brel kommt in Schaerbeek/Schaarbeek, Belgien, zur Welt.
9. April 1974, als erstem Kanadier seit Paul Anka (1957) gelingt Terry Jacks der Sprung an die Spitze der britischen Charts.

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https://www.youtube.com/watch?v=0M59jCGJ_CE


Mit elf Jahren flüchtete Rodney Marvin McKuen, den alle nur Rod nannten, von zu Hause. Seine Angst vor dem Stiefvater und sein Wille waren so stark, dass er die Kraft aufbrachte, sein Zuhause und seine Mutter zurückzulassen. Der alkoholsüchtige Stiefvater war gewalttätig gegenüber Rod und hatte ihm das Leben zur Hölle gemacht.

Sicher war es auch kein Zuckerschlecken als er sich als Kind an der Westküste der USA durchs Leben schlug. Er wurde früh Soldat und nahm als Propaganda-Redakteur am Koreakrieg teil. Zurück in den USA spielte er in der Band von Lionel Hampton, unternahm erste Schritte als Singer-Songwriter und als Schauspieler.

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https://www.youtube.com/watch?v=MB58PuNYO8o

In den 60er Jahren zog es ihn nach Europa. In Frankreich lernte er die Musik kennen, die ihn bewegte. Er sang selbst die Lieder von Gilbert Becaud, Michel Sardou und vor allen Dingen Jacques Brel. Diese Chansons begeisterten ihn so sehr, dass er sie in seine Muttersprache übersetzte und aufnahm. Darunter befand sich auch das Chanson „Le Moribond“. Aus „dem Sterbenden“ des belgischen Chansoniers wurde bei Rod McKuen „Seasons in The Sun“.

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https://www.youtube.com/watch?v=GLfRtK0oxYE

Zunächst nahm der Amerikaner in Paris den Song selbst auf, wenig später entdeckte ihn das legendäre Kingston Trio, die Folk-Band, die Ende der 50er Jahre einen Welthit mit „Tom Dooley“ landen konnte und seither zu den Großen des Folks gehörte, für sich. Zum ersten Male tauchte die belgisch/amerikanische Produktion made in Frankreich in den US-Charts auf. Viele andere Musiker dieses Genres nahmen „Seasons in The Sun“ in ihr Repertoire auf.

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https://youtu.be/RNducWOlkec

Darunter befand sich auch der kanadische Singer-Songwriter Terry Jacks, der gemeinsam mit seiner Ehefrau als Poppy Family sehr erfolgreich war. Für ihn war der Text allerdings nicht Hit-kompatibel, so dass er ihn einer kleinen Kur mit dem Weichspüler unterzog: Die Geschichte eines im Sterben liegenden jungen Mannes, der sich von seinen Nächsten und Freunden verabschiedet, blieb erhalten. Doch während Rod McKuen versucht hatte, möglichst nahe an Jacques Brels Vorgaben zu bleiben, nahm Terry Jacks einige Änderungen in der letzten Strophe vor.

Terry Jacks ließ den Abschied des Sterbenden wesentlich melancholischer daherkommen als es Jacques Brel im Original und auch Rod McKuen interpretiert hatten. So verzichtete der Kanadier ganz auf den Abschied von seinem Freund Emile, der ein Verhältnis mit seiner Frau hatte. Ganz strich er auch den Abschied von seiner untreuen Frau. Statt dessen ließ er eine Michelle aufleben, die einen positiven Einfluss auf sein Leben hatte und von der er sich ausgesprochen dankbar und rührend verabschiedet.

Auch der sarkastische Refrain des Originals, der alle auffordert, sich zu freuen und es zu feiern, wenn er in die Grube geht, wurde in der sanften Fassung von Terry Jacks etwas weichgespült. Aber ganz ehrlich, wer übersetzt bei einem Lied, bei dem man weiß, dass es um den Abschied eines Sterbenden geht, jedes Detail. Die Melodie versetzt uns, sowohl im Original als auch in der Hitversion in ein besonderes Gefühl, dass wenig mit Trauer zu tun hat, sondern auch etwas Schönes voller Melancholie vermittelt. Genau das hatten alle Interpreten wohl auch beabsichtigt.

Weltweit gehörte Terry Jacks dann zu den so genannten „One Hit Wonders“. Dafür war es ein Hit, der um die Welt ging. Von Kanada aus eroberte „Seasons In The Sun“ die Vereinigten Staaten, anschließend ging der Titel nach Europa und wurde auch dort zur Nummer Eins in Großbritannien, Deutschland, der Schweiz, Österreich, Dänemark, Irland und Norwegen, ebenso wie wenig später in Neuseeland und Südafrika.

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https://www.youtube.com/watch?v=LkkQfjBfrBY

1999 feierte der Jacques Brel-Titel ein Comeback in Großbritannien: Die Gruppe Westlife schaffte mit ihrer Doppel-A-Single, gemeint waren zwei A-Seiten, erneut den Sprung an die Chartspitze. Neben unserem Song des Tages war noch der ABBA-Titel „I Have A Dream“ als zweite A-Seite enthalten.

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https://www.youtube.com/watch?v=bea3GDr0zj0

Der Texter von „Seasons In The Sun“, der bis zu seinem Tod regelmäßig Konzerte gab, verzichtete auch nie auf diesen Hit. Er blieb sich und dem Original treu und sang bis zum Ende die von ihm getextete Strophe.

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